Afrikanische Schweinepest

Wildschwein

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist eine anzeigepflichtige Viruserkrankung, die ausschließlich Schweine (Haus- und Wildschweine) betrifft. Für Menschen und andere Haus- und Nutztiere ist sie nicht gefährlich. In ihrem Hauptverbreitungsgebiet, den afrikanischen Ländern südlich der Sahara und einigen Mittelmeerländern kann die Erkrankung über Lederzecken übertragen werden, die in unseren Breiten jedoch keine Rolle spielen. Die Erkrankung kann hier direkt von Tier zu Tier oder indirekt über kontaminierte Gegenstände übertragen werden. Unter ungünstigen Bedingungen kann ein unachtsam entsorgtes Wurstbrötchen ausreichen, um die Seuche einzuschleppen. Besonders effizient ist die Übertragung über Schweiß (Blut). Kleinste Tropfen reichen für eine Infektion! Daher ist auch die Hygiene bei der Jagd besonders wichtig.

Wurstbrot als Wildschweinfutter

Verbotszeichen

Landwirtschaftsministerin Prof. Dr. Dalbert bekräftigt die vorsorgenden Maßnahmen, die jede und jeder treffen kann: „Die Gefahr, dass die Seuche durch eine Schwein-zu-Schwein-Übertragung nach Deutschland eingeschleppt wird, wird als gering eingeschätzt. Die wesentlich größere Gefahr ist es, wenn aus dem weggeworfenen Wurstbrot Wildschweinfutter wird. Das infizierte Schweinefleisch oder Wurstprodukte daraus sind für den Menschen ungefährlich, aber sie haben das Potential, die Seuche über weite Strecken weiterzutragen."

Die Afrikanische Schweinepest ist bisher in Deutschland noch nie aufgetreten. Infektionen treten in Afrika in Ländern südlich der Sahara und in Ländern der kaukasischen Region gehäuft auf. Die Afrikanische Schweinepest tritt seit vielen Jahren auch bei Haus- und Wildschweinen auf Sardinien auf. Seit Januar/Februar 2014 wird der Erreger der Afrikanischen Schweinepest auch bei Wildschweinen in Staaten der östlichen EU nachgewiesen, in keinem der Länder konnte die Tierseuche bisher erfolgreich bekämpft werden. Auch Ausbrüche bei Hausschweinen wurden gemeldet. Ende Juni 2017 wurden erste Fälle bei Wildschweinen in der Tschechischen Republik gemeldet.

Fragen und Antworten zur Afrikanischen Schweinepest

>> Können Sich Menschen mit der Afrikanischen Schweinepest anstecken?

Eine Ansteckungsgefahr für den Menschen besteht nicht. Nur Schweine (Wild- und Hausschweine) sind für das Virus empfänglich.

>> Gibt es einen Impfstoff?

Nein, derzeit gibt es keinen Impfstoff gegen die Afrikanische Schweinepest. ASP ist unheilbar, ein Impfstoff steht gegen diese Tierseuche nicht zur Verfügung.

>> Wie bereitet sich das Land Sachsen-Anhalt vor?

Die Landesregierung hat Maßnahmen ergriffen, die das Einschleppen der Krankheit aus den Seuchengebieten in Osteuropa verhindern soll. Die Maßnahmen sind im Einzelnen:
 
Information an Fernstraßen
Bereits im vorigen Jahr ist per Erlass unter anderem geregelt worden, dass Müllbehälter regelmäßig geleert und gegen (Plünderung durch) Wildschweine gesichert werden. Darüber hinaus sind an allen Autobahn-Parkplätzen mit WC-Anlagen mehrsprachige  Warnhinweise angebracht worden.

Information der Jägerinnen und Jäger
Ein Flyer mit Informationen für Jägerinnen und Jäger ist in Vorbereitung. Im Mitteilungsblatt des Landesjagdverbandes erscheint im Februarheft ein Artikel zur sachgerechten Probenahme bei Wildschweinen.

50 Euro Prämie für das Auffinden toter Wildschweine
Das Landwirtschaftsministerium vergibt ab Februar 2018 an Jägerinnen und Jäger eine Prämie in Höhe von 50 Euro für das Auffinden und Beproben von toten Wildschweinen.

Überwachung der Hygiene in den Ställen
Das Landwirtschaftsministerium hat die Landkreise und kreisfreien Städte aufgefordert, im Rahmen der Überwachung der Vorschriften der Schweinehaltungshygieneverordnung Maßnahmen der Biosicherheit in Betrieben vor dem Hintergrund der Afrikanischen Schweinepest verstärkt zu kontrollieren.

Vorbereitung auf den Seuchenfall
Sachsen-Anhalt hat an der bundesweiten Übung zur Afrikanischen Schweinepest im November des vergangenen Jahres teilgenommen. Es wird eine weitere länderübergreifende Übung Ende 2018 geben. Für den Seuchenfall wurden 30 mobile Container zur Kadaverzwischenlagerung als Notfallreserve des Landes angeschafft. Zur Bewertung der Seuchenlage bei Auftreten der Seuche, zur Festlegung geeigneter Maßnahmen und zur Beratung der Behörden wurde eine Sachverständigengruppe eingerichtet.

Zur Bejagung von Wildschweinen führt Ministerin Dalbert aus: „Alle Maßnahmen, die zur Erhöhung von Wildschweinstrecken führen, sind aus vielerlei Sicht zu begrüßen, denn der Schwarzwildbestand im Land ist hoch. Die hohe Wildschweindichte verursacht  beispielsweise viele Schäden durch Wildunfälle oder an Deichen. Als Präventionsmaßnahme gegen die Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest sind solche Maßnahmen jedoch nicht geeignet. Für eine erfolgreiche Prävention müsste laut Friedrich-Löffler-Institut die Population um mindestens 70 Prozent dauerhaft reduziert werden. Das ist mit Abschussprämien oder anderen Anreizmaßnahmen überhaupt nicht zu erreichen.“

Anlegen von Bejagungsschneisen
Wildschweine gehen zum Fressen gern in Maisfelder. Hier können sie kaum bejagt werden. Deshalb sind Bejagungsschneisen in den Feldern für die Jägerinnen und Jäger hilfreich. Im Rahmen der Agrarförderung des Landwirtschaftsministeriums ist die Anlage von Bejagungsschneisen unter bestimmten Bedingungen und ohne Einschränkung der Beihilfefähigkeit möglich.

Befreiung von Standgeld im Landesforst
Im Landesforst sind die Befreiung von Standgeld bei Bewegungsjagden, die kostenfreie Abgabe von Frischlingen und Überläufern bei Einzeljagden ohne Gewichtsbeschränkung und weitere Maßnahmen zur Förderung der Wildschweinjagd vorgesehen.

Anordnung von Seuchenbekämpfungsmaßnahmen
Für die Anordnung von Seuchenbekämpfungsmaßnahmen einschließlich deren Überwachung sind in Sachsen-Anhalt die Landkreise und kreisfreien Städte zuständig. Die Landkreise und kreisfreien Städte haben im Rahmen der Krisenplanung die personelle Absicherung der einzuleitenden Maßnahmen sicherzustellen. Die „task force Tierseuchenbekämpfung“ des Landes am Landesamt für Verbraucherschutz unterstützt die Landkreise und kreisfreien Städte im Ereignisfall. Die Hinzuziehung praktizierender Tierärzte ist über die „Rahmenvereinbarung hinsichtlich des Einsatzes von Tierärztinnen/Tierärzten im Tierseuchenkrisenfall“, welche zwischen den kommunalen Spitzenverbänden und der Tierärztekammer sowie des Landesverbandes praktizierender Tierärzte Sachsen-Anhalt geschlossen wurde, möglich.

>> Was ist bei einem erkrankten Tier zu erkennen?

Die klinischen Erscheinungen sind sehr variabel! Bei Hausschweinen und bei europäischem Schwarzwild führt die Infektion zu sehr schweren, aber unspezifischen Allgemeinsymptomen wie Fieber, Schwäche, Fressunlust, Bewegungsstörungen und Atemproblemen. Durchfall und Blutungsneigung (Nasenbluten, blutiger Durchfall, Hautblutungen) können ebenfalls auftreten. Erkrankte Tiere zeigen mitunter eine verringerte Fluchtbereitschaft ("Liegenbleiben in der Suhle") oder andere Auffälligkeiten wie Bewegungsunlust und Desorientiertheit. Die Erkrankung betrifft alle Altersklassen und Geschlechter gleichermaßen und führt in nahezu allen Fällen zum Tod des Tieres innerhalb von sieben bis zehn Tagen.
Beim Aufbrechen der Stücke sollte auf vergrößerte, "blutige" Lymphknoten, eine vergrößerte Milz und feine, punkt- oder flächenförmige Blutungen in den Organen, der Haut oder Unterhaut geachtet werden. Die Lunge und die Atemwege sind häufig mit Schaum gefüllt. Das Fehlen solcher Auffälligkeiten schließt allerdings nicht aus, dass es sich dennoch um ASP handelt.
Beim Vorliegen solcher unspezifischen Symptome sollte das zuständige Veterinäramt des Landkreises oder der kreisfreien Stadt informiert werden.

>> Welche Vorsorgemaßnahmen können von Bürgerinnen und Bürgern getroffen werden?

Eine sofortige Meldung verendeter oder krank angesprochener Wildschweine sollte an die zuständige Veterinärbehörde beim Landkreis/ der kreisfreien Stadt erfolgen.
Illegales Verfüttern oder unsachgemäßes Entsorgen von Speiseabfällen ist zu unterlassen. Unter Umständen kann eine unachtsam entsorgte Brotzeit mit Wurst oder Schinken bereits zur Einschleppung führen.

Schweinefleisch und Schweinefleischerzeugnisse (z. B. Salami, Schinken) sollten aus betroffenen Seuchen- oder Restriktionsgebieten nicht mitgebracht werden!

>> Wie können Landwirtinnen und Landwirte ihren Bestand schützen?

Landwirte sollten die allgemeinen Hygiene- und Biosicherheitsmaßnahmen sowie die Bestimmungen der Schweinehaltungs-Hygieneverordnung beachten. Beim Auftreten akuter Krankheitsanzeichen, die nicht klar einer anderen Erkrankung zugeordnet werden können und insbesondere auf Antibiotikagabe nicht ansprechen, sind geeignete Proben zur Abklärung einer möglichen ASP-Infektion an die jeweils zuständige Untersuchungseinrichtung der Länder zu senden. Hoftierärzte, aber auch Landwirte werden nachdrücklich gebeten, verstärkt Proben (hier insbesondere Blutproben, aber auch darüber hinaus gehendes Probenmaterial) zur diagnostischen Abklärung von fieberhaften Allgemeininfektionen, Aborten oder vermehrte Todesfälle in schweinehaltenden Betrieben einzusenden. Die Mitarbeit der Schweinehalter ist entscheidend für ein funktionierendes Frühwarnsystem.

>> Welche Maßnahmen können Jägerinnen und Jäger vorbeugend ergreifen?

Jäger sollten auf vermehrt auftretendes Fallwild achten und von diesem immer Proben an die zuständige veterinärmedizinische Untersuchungseinrichtung (Landesamt für Verbraucherschutz, Fachbereich Veterinärmedizin in Stendal) einschicken. Optimal sind Schweiß- und Milzproben, notfalls Proben von anderen Organen oder ein Knochen. Sogar in Verwesung befindliche Stücke können noch untersucht werden. Die Entnahme von Proben über Tupfer in verschließbarem Plastikröhrchen ist eine geeignete Möglichkeit (anzufordern bei der zuständigen Veterinärbehörde). Besonders vorsichtig sollte mit Gegenständen umgegangen werden, die Schweißkontakt hatten. Dazu gehören auch Stiefel, Lappen, Wildwannen, Messer und Kleidungsstücke. Insbesondere die baltischen Staaten sind jagdtouristisch attraktive Reiseländer. Jagdtrophäen und Schwarzwildprodukte stellen im Ereignisfall ein erhebliches Risiko dar. Gleiches gilt für die verwendeten Kleidungsstücke und Gegenstände. Daher sind alle Jäger aufgerufen, bei Teilnahme an Jagden in den betroffenen Gebieten besonderen Wert auf hygienische Maßnahmen zu legen. Das Mitführen unverarbeiteter Trophäen sowie von Fleisch aus diesen Regionen ist verboten.

>> Was passiert, wenn die ASP in Deutschland festgestellt wird?

Den rechtlichen Rahmen der Bekämpfung gibt die Verordnung zum Schutz gegen die Schweinepest und die Afrikanische Schweinepest (Schweinepest-Verordnung) vor. Beim Ausbruch in Hausschweinebeständen müssten alle Schweine der betroffenen Bestände getötet und unschädlich beseitigt werden. Es würden großflächige Sperrbezirke und Beobachtungsgebiete eingerichtet, in denen das Verbringen von Tieren und deren Erzeugnissen in und aus den Betrieben untersagt ist. Sowohl Schweinebestände als auch Wildschweine in diesen Zonen würden intensiv untersucht werden. Darüber hinaus würden umfangreiche Untersuchungen zur Einschleppung des Erregers durchgeführt werden.
Wird ASP beim Schwarzwild festgestellt, wird ein sogenannter gefährdeter Bezirk festgelegt. Das Verbringen von Hausschweinen in dieses und aus diesem Gebiet ist dann grundsätzlich verboten. Beim Schwarzwild wird bei Bedarf eine verstärkte Bejagung, in jedem Fall aber eine Untersuchung erlegter und verendet aufgefundener Wildschweinen angeordnet. Darüber hinaus greifen weitere seuchenhygienische Maßnahmen (zum Beispiel zentrale Sammlung des Aufbruchs; bei Bedarf auch zentraler Aufbruch erlegter Wildschweine).

Quellen: BMEL, FLI

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Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie des Landes Sachsen-Anhalt

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