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Tagung "Klimaplastische Wälder"

Am 06. November 2019 fand auf Einladung des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft und Energie (MULE), in Zusammenarbeit mit dem Landeszentrum Wald, die Tagung "Klimaplastische Wälder" im Haus des Waldes im Schloß Hundisburg, statt.

Das Interesse an der Tagung war sehr groß. Knapp 200 Teilnehmende, Vertreter und Vertreterinnen von Naturschutzverbänden, Landkreis, Politik, Forstverwaltung und Waldbesitz begrüßte Frank Specht, Referatsleiter Wald- und Holzwirtschaft, im Haus des Waldes.

Im Verlauf der Tagung wurde in verschiedenen Fachvorträgen mit anschließender Podiumsdiskussion auf die heutigen und künftigen Auswirkungen des Klimawandels auf den Wald und die Möglichkeiten einer Anpassung der Waldbewirtschaftung daran eingegangen.

Karsten Schwanke: Klimawandel in Sachsen-Anhalt und seine Auswirkungen auf den Wald

Der ARD-Meteorologe Karsten Schwanke sprach über die Veränderung des Klimas generell, die zunehmende Heftigkeit von Extremwettereignissen und die Klimawandelprognosen für Sachsen-Anhalt. Deutlich wurde der enorme Handlungsbedarf. Karsten Schwanke sagte :“Bereits heute findet die Erwärmung schneller statt, als die Ergebnisse der pessimistischsten Klimawandelszenarien es zeigen. Auch die Geschwindigkeit des Klimawandels ist enorm - unter natürlichen Bedingungen würde es 1.000 Jahre dauern bis ein Grad Temperaturunterschied erreicht ist. Der menschengemachte Klimawandel schafft dies in 100 - 150 Jahren. Dies stellt die Wälder vor die größte Herausforderung. Wälder könnten sich natürlich anpassen und auch wandern, aber nicht in einer solchen Geschwindigkeit.“

Dr. Martin Rhode: Waldschutz im Klimawandel - Herausforderungen,Möglichkeiten und Grenzen

Die Situation der Waldschäden wurde von Dr. Martin Rohde aus der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NW-FVA) dargestellt. Er zeigte insbesondere die Herausforderungen, Möglichkeiten und Grenzen für den Waldschutz auf, welche mit den Veränderungen durch den Klimawandel einhergehen. Dr. Martin Rohde: "Hierunter leiden alle Waldbäume im unterschiedlichen Maße. Die Liste der Ursachen für Kalamitäten und Sekundärschäden sowie die Gefahren für Forstkulturen scheint immer länger zu werden. Eine Verstärkung der Risikovorsorge durch Anpassungsmaßnahmen (waldbaulich, personell, finanziell) sowie eine Risikominimierung und Risikoverteilung (keine Baumart ist risikofrei) ist notwendig für "klimastabile Wälder"."

Prof. Dr. Hermann Spellmann: Baumartenwahl im Klimawandel

Herr Prof. Dr. Herrmann Spellmann (Leiter der NW-FVA) erörterte die sich mit dem Klimawandel verändernden Standortverhältnisse, Risiken und Wuchsbedingungen. Ausmaß und Geschwindigkeit des Klimawandels überschreiten in Sachsen-Anhalt vielerorts die Anpassungsfähigkeit der Baumarten. Er gab Empfehlungen, welche Baumarten nach heutigem Stand des Wissens geeignet sind, sowohl mit dem herrschenden, als auch dem künftigen Klima zurecht zu kommen. Sein Credo war: "Der Waldumbau ist alternativlos, da das Tempo des Klimawandels viel zu schnell ist und sich Wälder dadurch nicht natürlich anpassen können".

Dietrich Mehl: Waldumbau und Dauerwaldbewirtschaftung in der Praxis

Die Chancen für einen verstärkten Waldumbau und eine Umstellung der Waldbewirtschaftung im Hinblick auf die verstärkte Integration ökologischer Aspekte für eine komplex nachhaltige Dauerwaldbewirtschaftung beleuchtete Dietrich Mehl vom Landesbetrieb Forst Brandenburg. Aus seinen Erfahrungen als Leiter einer brandenburgischen Landeswaldoberförsterei zeigte er eindrucksvoll, dass auch ein Wirtschaftswald naturnah gestaltet werden kann. Klar wurde jedoch auch, dass hierfür entsprechende Rahmenbedingungen gegeben sein müssen.

Prof. Dr. Ute Seeling: Arbeitsverfahren und Arbeitssicherheit in Klimaplastischen Wäldern

Durch die sich ändernde Waldzusammensetzung und Rahmenbedingungen der Waldbewirtschaftung entstehen vor allem bei der Holzernte neue Anforderungen an Arbeitssicherheit und Arbeitsverfahren. Neben technischen Entwicklungen und Neuerungen gibt es auch neue Herausforderungen für die Planung und Organisation der forstlichen Maßnahmen. Auf diese Anforderungen ging Frau Prof. Dr. Ute Seeling, Geschäftsführerin des Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik e.V. (KWF), ein.

Podiumsdiskussion

In der Podiumsdiskussion, moderiert von Karsten Schwanke, wurden Aspekte der vorgestellten Klimawandelanpassungsbedarfe, aber auch damit einhergehende Chancen mit folgenden Fachleuten, diskutiert:

  • Prof. Hermann Spellmann (NW FVA)
  • Staatssekretär Klaus Rehda (MULE)
  • Dr. Clemens Ritter von Kempski (Privatwaldbesitzer)
  • Waldkönigin Sachsen-Anhalt Christiane Heinrichs-Vogel (Private Baumschule und Dienstleistungsunternehmen)
  • Prof. Dr. Ute Seeling (KWF)

Als Tenor der Podiumsdiskussion kann festgehalten werden:

Es bestehen erhebliche Unsicherheiten, einerseits wie sich das Klima tatsächlich ändert und andererseits, wie die Waldbäume auf diese Veränderungen reagieren. Aber auch die Berücksichtigung der potentiellen Ansprüche der Menschen heutiger und künftiger Generationen können nicht außer Acht gelassen werden und sind schwer vorhersehbar. In den Wäldern der Zukunft spielt daher die nachhaltige Bereitstellung unterschiedlicher Ökosystemleistungen eine noch wichtigere Rolle. Um die Wälder zu gestalten, gibt es nicht ein Patentrezept, sondern es Bedarf verschiedener Ansätze und Konzepte. Wichtig ist es, regionale Waldökosysteme zu schaffen, die durch ihren Artenreichtum eine erhöhte Flexibilität gegenüber veränderten Umweltfaktoren aufweisen. Für diese verantwortungsvolle Aufgabe ist es notwendig, dass die Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten verbessert wird. Denn hierin waren sich alle einig: „Nur gemeinsam können zukunftsfähige „klimaplastische Wälder“ geschaffen werden.“

Interesse an Vorträgen ?

Die Vorträge der einzelnen Referenten werden Interessierten per Mail gerne zugesendet.

Vorträge können über die E-Mail-Adresse tagung-kpw(at)mule.sachsen-anhalt.de angefordert werden.

Referat Wald- und Holzwirtschaft, Landesforstbetriebe

Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie des Landes Sachsen-Anhalt
Leipziger Straße 58
39112 Magdeburg

Telefon: +49 391 567- 01
E-Mail: Poststelle(at)mule.sachsen-anhalt.de