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Internationaler Tag zur Abschaffung der Tierversuche

Am 28. April 2018 wurde der Internationale Tag zur Abschaffung der Tierversuche begangen, wo mit unterschiedlichsten Aktionen weltweit auf das Leid der Tiere in Tierversuchen aufmerksam gemacht wurde. In Deutschland sind jedes Jahr auch tausende Tiere betroffen, die in Tierversuchen mit dem Schweregrad "schwer" verwendet werden.

Dazu Dr. Marco König, Tierschutzbeauftragter des Landes Sachsen-Anhalt: "Zirka fünf Prozent aller in Deutschland durchgeführten Tierversuche wurden in die Kategorie "schwer" eingestuft - in ihnen wurden rund 140.000 Versuchstiere schwerstem Leid ausgesetzt.

Obwohl die Europäische Union Tierversuche, die starke Schmerzen, schwere Leiden oder Ängste verursachen, grundsätzlich verbietet, erlaubt sie es den Mitgliedsstaaten, Ausnahmen hiervon zuzulassen. Dass Deutschland davon Gebrauch macht, ist aus meiner Sicht tierschutzrechtlich nicht hinnehmbar. Tierversuche mit dem Schweregrad 'schwer' müssen gesetzlich verboten werden, weil sie ethisch nicht vertretbar sind. Der Tierschutz ist im Grundgesetz fest verankert und ermöglicht es auch, die Forschungsfreiheit einzuschränken."

Stellungnahme von Dr. Marco König, Tierschutzbeauftragter des Landes Sachsen-Anhalt, zu medialen Berichten über die Schweinehaltung im „Schweinehochhaus“ Maasdorf vom 14.03.2018

Foto einer Abferkelbucht im Schweinehochhaus Massdorf
Abferkelbucht in Maasdorf

In medialen Beiträgen wurde am 14.03.2018 im Fernsehen (SternTV), Rundfunk (MDR) und Zeitungen über die Schweinehaltung im "Schweinehochhaus" Maasdorf berichtet. Der dabei aufgezeigte Umgang des Stallpersonals mit den ihm anvertrauten Tieren ist schockierend und entschieden zu verurteilen. In Tierhaltungen verenden und erkranken Tiere - das ist nicht verhinderbar. Aber: das mutwillige Verletzen von Tieren und die gezeigte Art und Weise der Tötung von Ferkeln ist absolut unakzeptabel. Dabei ist nicht fehlende Sachkenntnis der Tierhalter Ursache dafür, dass Ferkel unsachgemäß getötet werden - diese Sachkenntnis wurde von Behörden in mehreren Veranstaltungen vermittelt und auch überprüft. Bei Kontrollen der Veterinärbehörden hat noch kein Schweinehalter ein Ferkel unsachgemäß getötet; das wird offenbar nur dann so durchgeführt, wenn man sich unbeobachtet fühlt. Die Tierhalter nutzen offensichtlich bewusst aus, dass kein behördliches Kontrollsystem eine permanente Überwachung aller Tierhaltungen leisten kann. Die in den Beiträgen gezeigten Aufnahmen sind völlig zu Recht Strafverfolgungsbehörden zugeleitet worden, die das Strafmaß hoffentlich angemessen festlegen werden. Es ist überdies an der Zeit, dass die Branche der Schweinehaltung - auch die sie vertretenden Verbände - gegen diese Praktiken in den eigenen Reihen konsequent vorgeht und sich davon distanziert. Auch wenn Rechtsverstöße der Tierschutzorganisationen durch Hausfriedensbruch und illegales Eindringen in Ställe schwer hinnehmbar sind, haben sie mindestens aus Tierschutzsicht ihre Berechtigung, solange die dadurch aufgezeigten Rechtsverstöße anhalten. Die wiederholte Kritik des "Schweinehochhauses" in Maasdorf wegen der Haltungsform der Schweine auf sechs Etagen ist dagegen nicht gerechtfertigt. Die beschriebene Aufstallung der Schweine in Stallabteilungen entsprechend der verschiedenen Haltungsphasen und der Durchlauf dieser Abschnitte entspricht völlig denen anderer konventioneller Schweinehaltungen. Dass die Schweine in Maasdorf Fahrstuhl fahren anstatt ebenerdig umgestellt zu werden, ist für das Tierwohl unerheblich. Eine immer wieder geforderte Schließung dieser Haltung allein aus diesen Gründen ist nicht berechtigt und auch nicht möglich. Es bleibt zukünftig zu hoffen, dass sich Verbraucher zuverlässig durch ein taugliches System der Lebensmittelkennzeichnung über die Haltungsformen der Tiere, von denen angebotene Fleischprodukte stammen, informieren können. Nur dann können Konsumenten durch ihr Kaufverhalten bewusst mit entscheiden, wie Tiere zur Herstellung von Lebensmitteln gehalten werden sollen.

Fortbildungsveranstaltung "Ausstieg aus dem Schwanzkupieren beim Schwein - Möglichkeiten und Wege"

Dr. König diskutiert mit Prof. Dr. Blaha
Dr. König in Diskussion mit Prof. Dr. Blaha

Der Tierschutzbeauftragte des Landes und die Arbeitsgruppe "Ausstieg aus dem routinemäßigen Schwanzkupieren beim Schwein" haben am 09. November 2017 zu einer Fortbildungsveranstaltung in die Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau nach Bernburg/Strenzfeld eingeladen. Über 100 Teilnehmer dokumentierten das große Interesse am Thema der Veranstaltung "Ausstieg aus dem Schwanzkupieren beim Schwein - Möglichkeiten und Wege".

Nach der Einführung in das Themengebiet gab Frau Dr. Sabine Dippel (FLI Celle) einen Überblick über die vielfältigen Ursachen der Verhaltensstörung Schwanzbeißen. Prof. Dr. Thomas Blaha (Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz) referierte anschließend über die mögliche Prävention von Schwanzbeißen und gab Empfehlungen zum Kupierverzicht. Deutlich wurde in diesen beiden Vorträgen, dass ein Kupierverzicht nur schrittweise und nach umfangreicheren Vorbereitungen zur Optimierung der Haltungsbedingungen möglich ist. Andernfalls sind die Schweine nicht in der Lage, sich an wenig tiergerechte Haltungsbedingungen ausreichend anzupassen - ein überbordender Stresslevel äußert sich im Schwanzbeißen.

Die Tiersignaltrainerin Mirjam Lechner aus Herrieden schilderte sehr anschaulich und einprägsam, an welchen Tiersignalen ein schlechter Zustand und erhöhter "Frust" der Tiere erkennbar sind und woran man bevorstehendes Schwanzbeißen erahnen kann.

Im praxisorientierten Nachmittagsteil der Veranstaltung stellte der Tierschutzbeauftragte Sachsen-Anhalts Dr. Marco König die bisherige Tätigkeit der Arbeitsgruppe "Ausstieg aus dem routinemäßigen Schwanzkupieren beim Schwein" und seiner Modellbetriebe vor. Dr. Manfred Weber (LLG ZTT Iden) berichtete über die Ergebnisse der ersten fünf Durchgänge mit unkupierten Schweinen in Iden und machte die Probleme in der Praxis, insbesondere beim Auftreten nicht vorhersehbarer Ereignisse, deutlich. Die Praxisberichte wurden abgerundet durch den Vortrag von Melanie Große Vorspohl (TP Alkersleben), die das Thüringer Beratungs- und Managementsystem "Caudophagie" vorstellte.

Fazit der Veranstaltung: Kupierverzicht unter konventionellen Haltungsbedingungen ist komplex und schwierig. Unvorbereiteter Kupierverzicht erzeugt erhebliche Leiden und Schäden durch Schwanzbeißverletzungen. Der Weg ist langwierig und muss mit einer grundlegenden Verbesserung von Haltungsbedingungen und Gesundheitszustand der Schweine einhergehen.

Tierschutzpreis 2018

Schwein aus dem Deckstall Iden

Auch in 2018 wird ein Tierschutzpreis vergeben. In diesem Jahr steht die artgerechte Nutztierhaltung im Mittelpunkt. Das Thema lautet: „Beispielhafte Maßnahmen zur Schaffung unterschiedlicher Funktionsbereiche in der Haltung von Rindern, Schweinen oder Geflügel, in denen auch artgemäße Beschäftigung der Tiere möglich ist“.

Nutztierhaltende aus Sachsen-Anhalt konnten sich bis 30. April 2018 bewerben.

Formulare:

>>> Neue Förderrunde der Initiative Tierwohl

Die erste Förderperiode 2015 bis 2018 der Initiative Tierwohl ist vorbei. Für die Neuauflage 2018 bis 2020 läuft die Bewerbungsfrist bis 26. September 2017.

Die Initiative Tierwohl - ein Branchenbündnis aus bisher ca. 3.400 Schweinehaltungs- und Geflügelmastbetrieben, 134 Schlachtunternehmen und 10 Handelsketten - hat 267 Millionen Schweinen, Hähnchen und Puten zu verbesserten Haltungsbedingungen verholfen. Und die beteiligten Tierhalter bekommen ihren dafür benötigten Aufwand zumindest teilweise erstattet - mit Geld, das die teilnehmenden Lebensmittelketten pro verkauftes Kilogramm Fleisch oder Fleischprodukt in einen Fond einzahlen.

Trotz aller berechtigter Kritik am Vorgehen der Initiative - die Förderkriterien sind relativ niedrig, am gekauften Produkt selbst ist die Teilnahme des Erzeugers an der Initiative nicht ersichtlich - der Ansatz scheint richtig, den Aufwand der Tierhalter für gesellschaftliche Forderungen nach mehr Tierwohl zu honorieren.

An der ersten Förderperiode der Initiative waren auch 30 Schweinehalter und 30 Geflügelmäster aus Sachsen-Anhalt beteiligt, obwohl die Gelder im Fond nicht für alle Interessenten ausreichten. Die Initiatoren haben hier nachgebessert - der Handel zahlt mehr Geld in den Fond, das Niveau der Tierhaltungskriterien wurde angehoben.

Bleibt zu hoffen, dass sich auch mehr Tierhalter aus Sachsen-Anhalt beteiligen. Nähere Informationen über eine beabsichtigte Beteiligung erhalten Interessenten beim Landeskontrollverband Sachsen-Anhalt oder unter Telefon 0345-52 149 370.

>>> Thema Schweinehaltung im Landtag

In der Debatte des Landtages vom 04.05.2017 zum Antrag "Tiergerechte Schweinehaltung umsetzen - glückliche Schweine erfordern politische Taten" (Drs. 7/1300) wurde gefordert, die Stellungnahme des Landestierschutzbeirates zum Thema "Verbot des Kastenstandes in der Sauenhaltung" sowohl im Deck- als auch im Abferkelbereich von Sauenhaltungen grundsätzlich umzusetzen. Dafür sollen entsprechende Initiativen auf Bundes- und Landesebene ergriffen und/oder unterstützt werden. Der Landtag hat zu diesem Antrag und einem Alternativantrag beraten. Beide Anträge wurden abgelehnt.

>>> Übertragung der Zuständigkeit für den Erlass von Katzenschutzverordnungen nach § 13b Tierschutzgesetz

Zum wiederholten Male wird gegenwärtig in Sachsen-Anhalt die Übertragung der Zuständigkeit für den Erlass von Katzenschutzverordnungen nach Paragraf 13b Tierschutzgesetz geprüft. Nach Paragraf 13b Tierschutzgesetz sind die Landesregierungen ermächtigt, beim Vorliegen bestimmter nachzuweisender Bedingungen spezielle Gebiete zu Katzenschutzgebieten zu erklären. In diesen sollen zur Verminderung der Anzahl freilebender Katzen Maßnahmen angewiesen werden.

Die Zuständigkeit soll nunmehr auf die Landkreise/kreisfreien Städte übertragen werden. Ein entsprechender Gesetzesvorstoß war 2016 vom Landtag abgelehnt worden.

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Kontakt Info
Tierschutzbeauftragter
Dr. Marco König

Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie des Landes Sachsen-Anhalt

Anschrift
Leipziger Straße 58
39112 Magdeburg
Telefon
Telefon: 0391/567-1844