Was man über Tierversuche wissen sollte

>>> Ablauf eines Genehmigungsverfahrens

Tierversuche unterliegen einem präventiven Verbot. Alle Untersuchungen oder Eingriffe an Tieren, die mit Schmerzen, Leiden oder Schäden verbunden sein können, gelten als Tierversuche und sind deshalb genehmigungspflichtig. In der Forschung sind sie nur dann gerechtfertigt, wenn ausschließlich auf diesem Weg neue Erkenntnisse gewonnen werden können. Die Notwendigkeit der Tierversuche muss grundsätzlich nachvollziehbar begründet sein. Die Unerlässlichkeit ist nicht nur für die Frage der Zulässigkeit des Tierversuchs („ob“), sondern auch für die konkrete Durchführung („wie“) zu prüfen. Für beides gilt das 3 R-Prinzip:

  • refinement (Verfeinerung)
  • reduction (Verringerung) und
  • replacement (Vermeidung).

Bevor ein Tierversuch durchgeführt werden kann, muss dieser den zuständigen Behörden gemeldet und von diesen genehmigt werden. Zuständige Behörde ist in Sachsen-Anhalt das Landesverwaltungsamt. Diese wird durch eine Ethik-Kommission beraten. In 2015 wurden 72 Projekte genehmigt. Mehr als 60.500 Tiere sind in 2015 bei Tierversuchen im Land eingesetzt worden.

Das Genehmigungsverfahren besteht aus einer Prüfung auf drei Ebenen:

  1. Vorhabenbezogen: Das Projekt muss wissenschaftlich begründet werden, und die Unerlässlichkeit sowie die ethische Vertretbarkeit müssen dargelegt werden. Darüber hinaus darf das angestrebte Versuchsergebnis nicht bereits greifbar sein. Die zuständigen Behörden prüfen, ob die Angaben im Antrag schlüssig sind (sog. Plausibilitätsprüfung).
  2. Personenbezogen: Die verantwortliche Leiterin bzw. der verantwortliche Leiter des Versuchsvorhabens und deren Stellvertretung müssen die erforderliche fachliche Eignung besitzen und persönlich zuverlässig sein.
  3. Anlagenbezogen: Die baulichen und personellen Voraussetzungen zur Durchführung eines Tierversuchs müssen gewährleistet sein. Es ist ein Tierschutzbeauftragter oder eine Tierschutzbeauftragte zu benennen.

Es gibt mehrere deutsche und EU-Gesetze, Verordnungen und Richtlinien, die bestimmte Tierversuche vorschreiben, z.B.: Arzneimittelgesetz, Chemikaliengesetz, Futtermittelgesetz, Gentechnikgesetz, Infektionsschutzgesetz.

Wegen der stark eingeschränkten Prüfbefugnis der Genehmigungsbehörden wurde bereits 2014 bei der EU-Kommission  vom Deutschen Tierschutzbund e.V. Beschwerde eingereicht. Im März 2016 hat die Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen ein juristisches Gutachten zur Umsetzung der EU-Tierversuchsrichtlinie veröffentlicht.

>>> Ausstieg aus Tierversuchen

Mit der 2010 verabschiedeten EU-Tierversuchsrichtlinie bekannten sich die EU-Mitgliedstaaten erstmals zu dem gemeinsamen Ziel, Tierversuche vollständig zu ersetzen (Erwägungsgrund 10) und die Entwicklung tierversuchsfreier Methoden (Erwägungsgrund 46) zu fördern.

Die Niederlande präsentierten als erster EU-Mitgliedsstaat einen Abbauplan für Tierversuche. Das Nationale Komitee für den Schutz von Tieren (NCad) hat am 15. Dezember 2016 seinen Bericht für den Abbau von Tierversuchen vorgelegt. Zielvorgabe war die gesetzlich vorgeschriebenen Giftigkeitstests bis 2025 zu verbieten. Nach Einschätzung der NCad können Tierversuche für regulatorische Sicherheitstests für Chemikalien, Lebensmittelzusätze, Pestizide und (Tier-)Medizinproduktion unter Einhaltung des gleichen Sicherheitsniveaus bis 2025 tierversuchsfrei beendet werden. Nicht beendet werden können Tierversuche in der Grundlagenforschung und in der angewandten und translationalen Forschung. Aber die Entwicklung tierversuchsfreier Methoden könne beschleunigt werden. Der sogenannte Tierverbrauch in der Aus-, Fort- und Weiterbildung könne ebenfalls stark reduziert werden.

>>> Alternativen zum Tierversuch

Als Alternativen werden häufig Zelllinien verwendet, die aus Tieren oder aus menschlichem Gewebe gewonnen und dann in einer Laborkultur weitergezüchtet werden. Solche Versuchsmethoden außerhalb des Organismus (sog. „In-vitro-Verfahren“ (in vitro=im Glas)), werden intensive genutzt, insbesondere bei der Aufklärung von zellulären Prozessen oder der Wirkung von Medikamenten auf den Stoffwechsel von Zellen.

Ein weiterer Ansatz kommt aus der regenerativen Medizin und nennt sich „body on a chip“. Diese Methode wurde aus dem „Tissue Engeneering“ oder „Bioprinting“ entwickelt, bei der dem Ersatzorgane für den Menschen aus humanem Gewebe gezüchtet und mit einem 3-D-Drucker hergestellt werden. Diese Miniorgane werden auf einem Mikrochip plaziert und durch ein künstliches Erhaltungssystem versorgt. „Body on a chip“ wird für die Prüfung von Toxizität oder pharmakologische Eigenschaften biologischer und chemischer Substanzen genutzt.

Auch „In-Silico-Verfahren“ (in silico=im Computer) gewinnen an Bedeutung. Wenn es um die Verträglichkeit von Stoffen geht, kann darauf zurückgegriffen werden. Auch in der Ausbildung wird auf Computersimulationen zurückgegriffen.

>>> Tierversuche in der Aus-, Fort- und Weiterbildung

Für Studierende, die aus ethischen Gründen den Einsatz von Tieren in der Ausbildung vermeiden möchten, veröffentlicht der Verein SATIS einen Wegweiser. In einer Broschüre wird eine Übersicht über das Lehrangebot an Studiengängen und Fakultäten in Deutschland geben.

SATIS-Ethikranking (Stand: Juni 2017) als kostenlose Broschüre verfügbar unter:
http://www.satis-tierrechte.de/uni-ranking/

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Kontakt Info
Tierschutzbeauftragter
Dr. Marco König

Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie des Landes Sachsen-Anhalt

Anschrift
Leipziger Straße 58
39112 Magdeburg
Telefon
Telefon: 0391/567-1844