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Dalbert: „Die europäische Gasversorgung ist gesichert“

Energieministerin sieht Gaspipeline „Nord Stream 2“ kritisch – Ziel ist 100 Prozent Energieversorgung mit Erneuerbaren Energien

Magdeburg. In der aktuellen Debatte im Landtag zum Thema „Nord Stream 2-Projekt“ machte Energieministerin Prof. Dr. Claudia Dalbert deutlich, dass das Projekt keine Relevanz für die Energiesicherheit in Deutschland hat. Sie sagte: „Die europäische Gasversorgung ist ausreichend gesichert. Für unser langfristiges Ziel einer vollständigen Erneuerbaren Energieversorgung ist selbstredend nur ein Bruchteil der heutigen Erdgasimportmengen notwendig. Wir benötigen kurz- und mittelfristig keine zusätzlichen Leitungskapazitäten zum Import von fossilem Erdgas“. 

Untenstehend befindet sich die Landtagsrede im Wortlaut. Es gilt das gesprochene Wort!

Anrede,

der vorliegende Antrag der AfD berührt wichtige Punkte unserer Energieversorgung; insbesondere die Fragen, „Welche Primärenergieträger nutzen wir?“ und „Woher bekommen wir diese Energie?“. Russland mit seinen großen Gasfeldern ist dabei ein wichtiger Lieferant.

Mit der Gasleitung Nord Stream 1 besteht bereits eine neue leistungsfähige Verbindung zu den Gasfeldern im hohen Norden Russlands, welche die bestehenden Pipelineverbindungen „Jamal“ und „Transgas“ ergänzt. Auch für die Versorgung unserer Nachbarländer, insbesondere Tschechien, kommt dort ausreichend Gas an. Die europäische Gasversorgung ist derzeit auch durch die weiteren Gasfernleitungen in Mittel- und Südeuropa, die Gas aus Russland, aber auch aus südlich gelegenen Lieferländern liefern, ausreichend gesichert.

Die Hoffnung, dass mittels Nord Stream 2 in näherer Zukunft grüner Wasserstoff transportiert wird, teile ich nicht. Ein Blick in die russische Wasserstoffstrategie aus diesem Jahr verrät, dass Russland mittelfristig vor allem auf Wasserstoff aus Erdgas und Kernenergie setzt.

Ganz grundsätzlich sollte uns die zunehmende Dominanz der russischen Gaslieferungen zu denken geben. Bereits heute importiert Deutschland mehr als 70 Prozent des Erdgases aus Russland. Hier gilt es die Bezugsquellen wieder stärker zu diversifizieren. Dazu dienen die bereits geplanten LNG-Terminals im Norden Deutschlands, welche auch für die Anlandung emissionsarmer Erdgaslieferungen, bspw. aus der MENA -Region, also dem Mittleren Osten und Nordafrika, genutzt werden sollten. Perspektivisch stehen diese Infrastrukturen auch grünen Energieträgern, wie auf Basis erneuerbarer Energien hergestelltem Wasserstoff, Ammoniak oder Methanol zur Verfügung. Mit der Realisierung eines ausreichend hohen CO2-Preises und eines robusten europäischen Zertifizierungsverfahrens für die Vorkettenemissionen von Methan kann sichergestellt werden, dass kein umweltschädliches Erdgas aus dem Fracking-Verfahren nach Deutschland kommt.

Neben der Frage nach der Herkunft gasförmiger Energieträger sollten wir auch darüber sprechen, wieviel Erdgas wir zukünftig in Sachsen-Anhalt, Deutschland und Europa benötigen und in welchem Umfang Erdgas als Brückentechnologie eingesetzt werden muss. Aktuell werden circa drei Viertel des Erdgases im Wärmesektor verbraucht. Mit der bevorstehenden Renovierungswelle und einem steigenden Anteil erneuerbaren Energien durch den Einsatz von grünstrombasierten Wärmepumpen, Solarthermie, erneuerbarer Fernwärme oder – wo nicht anders möglich – grünem Wasserstoff wird der Erdgasbedarf im Wärmebereich kontinuierlich zurückgehen. Somit wird der moderate Anstieg des Erdgasverbrauchs im Stromsektor mehr als ausgeglichen. Dies wird durch eine Vielzahl an Studien, unter anderem von der Europäischen Kommission, der deutschen Energieagentur, und des Umweltbundesamtes bestätigt. Somit ist klar, dass wir kurz- und mittelfristig keine zusätzlichen Leitungskapazitäten zum Import von fossilem Erdgas benötigen. 

Für unser langfristiges Ziel einer vollständigen erneuerbaren Energieversorgung ist selbstredend nur ein Bruchteil der heutigen Erdgasimportmengen notwendig.  

Ich empfehle deshalb sowohl den Antrag der Fraktion AfD als auch den Antrag der Fraktion DIE LINKE abzulehnen.