Menu
menu

Schweinehochhaus Maasdorf: Stellungnahme des Tierschutzbeauftragten Sachsen-Anhalts, Dr. König

In medialen Beiträgen wurde am 14.03.2018 im Fernsehen (SternTV), Rundfunk (MDR) und Zeitungen (wie Bild) über die Schweinehaltung im „Schweinehochhaus“ Maasdorf berichtet.

Der dabei aufgezeigte Umgang des Stallpersonals mit den ihm anvertrauten Tieren ist schockierend und entschieden zu verurteilen. In Tierhaltungen verenden und erkranken Tiere - das ist nicht verhinderbar. Aber: das mutwillige Verletzen von Tieren und die gezeigte Art und Weise der Tötung von Ferkeln ist absolut unakzeptabel. Die Kritik aus diesem wiederholten Anlass ist völlig berechtigt. Dabei ist nicht fehlende Sachkenntnis der Tierhalter Ursache dafür, dass Ferkel unsachgemäß getötet werden - diese Sachkenntnis wurde von Behörden in mehreren Veranstaltungen vermittelt und auch überprüft. Bei Kontrollen der Veterinärbehörden hat noch kein Schweinehalter ein Ferkel unsachgemäß getötet; das wird offenbar nur dann so durchgeführt, wenn man sich unbeobachtet fühlt.

Die Tierhalter nutzen offensichtlich bewusst aus, dass kein behördliches Kontrollsystem eine permanente Überwachung aller Tierhaltungen  leisten kann. Die in den Beiträgen gezeigten Aufnahmen sind völlig zu Recht Strafverfolgungsbehörden zugeleitet worden, die das Strafmaß hoffentlich angemessen festlegen werden.

Es ist überdies an der Zeit, dass die Branche der Schweinehaltung - auch die sie vertretenden Verbände - gegen diese Praktiken in den eigenen Reihen konsequent vorgehen und sich davon distanzieren.  Auch wenn Rechtsverstöße der Tierschutzorganisationen durch Hausfriedensbruch und illegales Eindringen in Ställe schwer hinnehmbar sind, haben sie mindestens aus Tierschutzsicht ihre Berechtigung, solange die dadurch aufgezeigten Rechtsverstöße anhalten.

Die wiederholte Kritik des "Schweinehochhauses" in Maasdorf wegen der Haltungsform der Schweine auf sechs Etagen ist dagegen nicht gerechtfertigt. Die beschriebene Aufstallung der Schweine in Stallabteilungen entsprechend der verschiedenen Haltungsphasen und der Durchlauf dieser Abschnitte entspricht völlig denen anderer konventioneller Schweinehaltungen. Dass die Schweine in Maasdorf Fahrstuhl fahren anstatt ebenerdig umgestellt zu werden, ist für das Tierwohl unerheblich. Eine immer wieder geforderte Schließung dieser Haltung allein aus diesen Gründen ist nicht berechtigt und auch nicht möglich.

Es bleibt zukünftig zu hoffen, dass sich Verbraucher zuverlässig durch ein taugliches System der Lebensmittelkennzeichnung über die Haltungsformen der Tiere, von denen angebotene Fleischprodukte stammen, informieren können. Nur dann können Konsumenten durch ihr Kaufverhalten bewusst mit entscheiden, wie Tiere zur Herstellung von Lebensmitteln gehalten werden sollen.