Landwirtschaftsministerin Dalbert reagiert auf Kritik von PETA

Antwort auf Schreiben der Organisation PETA

stilisierte Ähre, Piktogramm der Rubrik Landwirtschaft

Landwirtschaftsministerin Prof. Dr. Claudia Dalbert wurde von der Organisation PETA Ende Januar 2019 zum Thema "Sofortige Beendigung der Förderung der Fellwechsel GmbH" angeschrieben.  Der Brief kann hier nachgelesen werden. Ihre Antwort auf das Schreiben nachfolgend:

Die Antwort:

Sehr geehrte Frau Michler, sehr geehrte Frau Fuoß,

Ihr Schreiben vom 22.01.2019 habe ich erhalten.

Zunächst möchte ich voranschicken, dass mir Tierschutz und Tierwohl sehr am Herzen liegen. Tiere sind unsere Mitgeschöpfe und verdienen unseren Schutz und unser Engagement für ihr Wohlbefinden. Tierschutz ist ethisch­moralische Verpflichtung unserer Gesellschaft und gesetzlicher Auftrag, der im Grundgesetz als Staatszielbestimmung seine Grundlage gefunden hat. Unbeschadet dessen verpflichten mich unsere freiheitlich demokratische Grundordnung und die Bindung an Gesetz und Recht dazu, anderen Rechtsbereichen meines politischen Verantwortungsbereichs, zum Beispiel von Jagd, Umwelt- und Naturschutz, im Verwaltungshandeln ebenso Rechnung zu tragen.

In der Sache kann ich Ihnen folgendes mitteilen.
Die gesetzmäßige Jagdausübung mit zulässigen Methoden und Geräten ist von unserer Rechtsordnung gebilligt. An das Tierschutzrecht des Bundes ist die Jagd in allen ihren Ausführungsformen gebunden.

Gleichsam als Vorgriff auf die Aufnahme des Tierschutzes als Staatsziel im Grundgesetz wurde das Tierschutzgesetz in § 44a Bundesjagdgesetz erfasst. Dadurch wurde die besondere Verantwortung der Jägerinnen und Jäger für die Wildtiere gewichtet. Mit der Aufnahme des Tierschutzrechts in das Jagdrecht in der Regelung des § 44a und der Privilegierung der Jagdausübung im Tierschutzrecht ist eine Wechselbeziehung zwischen beiden Rechtskreisen hergestellt. Aus meiner Sicht enthält das geltende Jagdrecht die notwendigen Normen, die das Verhältnis von Jagd und Tierschutz in zentralen Bereichen regeln. Das Staatsziel Tierschutz gilt im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung. Zu dieser zählen gleichwohl auch die Grundrechte der Jägerinnen und Jäger aus Artikel 14 und Artikel 11 GG.

Jagd ist nicht nur eine Form von nachhaltiger Ressourcennutzung. Jagd und Hege dienen insbesondere der Erhaltung eines den landschaftlichen und landeskulturellen Verhältnissen angepassten artenreichen und gesunden Wildbestandes sowie der Pflege und Sicherung seiner Lebensgrundlagen. Zur Jagd gehört die Regulierung der Schalenwildbestände zum Schutz des Waldes und vor Wildschäden ebenso wie die Bestandssicherung ganzjährig geschonter Wildarten und die Bekämpfung invasiver gebietsfremder Arten als wichtiger Beitrag zum Schutz bedrohter Arten. Da eine Dichteregulierung der heimlichen, nachtaktiven Raubwildarten und somit eine wirkungsvolle Senkung des Beutegreiferdrucks auf andere, zum Teil in ihrem Bestand bedrohte Arten ohne den Einsatz von Fallen nicht ausreichend möglich ist, stellt die Fangjagd ein unverzichtbares Instrument zum Erhalt der Artenvielfalt in Sachsen-Anhalts Agrarlandschaft dar. Ohne einen flächendeckenden und kontinuierlichen Einsatz von Fallen und der engagierten Unterstützung der Jagdausübungsberechtigten wäre zum Beispiel die Erhaltung eines der letzten in Deutschland noch existierenden Restvorkommen der Großtrappe in Sachsen-Anhalt nicht machbar.

Das Land Sachsen-Anhalt unterstützt nicht wie von Ihnen angenommen die Fellwechsel GmbH, sondern ein nachhaltiges Management invasiver Arten, allem voran Waschbär, Marderhund, Mink und Nutria. Mit den vom Haushaltsgesetzgeber zur Ergreifung von Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung invasiver Tierarten im Haushaltsjahr 2018 zur Verfügung gestellten Haushaltsmitteln in Höhe von 100.000 EUR hat das Land 40 Gefriertruhen und 4 Kühlcontainer beschafft. Diese Gerätschaften wurden dem Landesjagdverband Sachsen-Anhalt e.V. auf der Grundlage einer Vereinbarung zwischen Ministerium und Verband bis Ende 2026 zur Nutzung überlassen. Die Geräte dienen der Annahme und Zwischenlagerung von erlegtem Raubwild der invasiven gebietsfremden Arten, sowie der weiteren nach Bundes- und Landesrecht jagdbaren Arten durch Beauftragte der Landesjägerschaft im Rahmen des Projektes Fellwechsel, für dessen Umsetzung die Fellwechsel GmbH des Deutschen Jagdverbandes e. V. und des Landesjagdverbandes Baden-Württemberg e. V. verantwortlich zeichnet.

Mit dem Projekt Fellwechsel und dem vom Zentralverband des Kürschnerhandwerks initiierten Label „weprefur" ist es möglich, Verantwortung für Tier- und Ressourcenschutz zu zeigen.

Die Jägerinnen und Jäger in Sachsen-Anhalt entscheiden selbst darüber, ob sie die von ihnen in einem bestimmten Zeitfenster erlegten Tiere der Weiterverwertung durch die Fellwechsel GmbH zuführen wollen.
Winterbälge von frei in der Natur lebenden Haarwildarten, die aus Gründen der Landeskultur, der Tierseuchenbekämpfung, der Wahrung der Interessen der Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft sowie der Belange des Naturschutzes und der Landschaftspflege, zu wissenschaftlichen, Lehr- ­und Forschungszwecken oder bei Störungen des biologischen Gleichgewichts im Rahmen einer notwendigen und tierschutzgerechten Jagd bejagt werden, sind nach meinem Verständnis eine natürlich nachwachsende wertvolle Ressource. Die ausschließliche Verwendung von Fellen mit nachweisbarem, dokumentiertem Ursprung unter dem Label weprefur ist durch eine lückenlose Kennzeichnung von der Jagd bis zu den Händlern sichergestellt.

Am Ende haben es die Verbraucherinnen und Verbraucher selbst in der Hand zu entscheiden, ob sie ein Pelzprodukt mit dem Label weprefur erwerben wollen und damit gleichzeitig eine bewusste Kaufentscheidung gegen andere Produkte aus Kunstfell oder solchen von in Pelzfarmen gehaltenen Tieren treffen.

Das Projekt Fellwechsel ist für mich eine begrüßenswerte Initiative der Jagdverbände, die dem Natur- und Artenschutz dient und nicht zuletzt im Interesse des Tierschutzes handelt.

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. Claudia Dalbert

Die Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage (Dr. 7/3030 vom 14.06.2018) mit dem Titel: Umsetzung des Projektes „Fellwechsel“ in Sachsen-Anhalt kann nachgelesen werden unter: https://padoka.landtag.sachsen-anhalt.de/files/drs/wp7/drs/d3030aak.pdf

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Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie des Landes Sachsen-Anhalt

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