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Paradebeispiel einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft

In Bernburg entsteht eine hochmoderne Vergärungsanlage für Bioabfälle – Mannheimer Energieunternehmen MVV investiert in erneuerbare Energien – Umweltministerin Dalbert: „Regionale Lösung für stoffliche und energetische Verwertung“ Kartoffelschalen, Gartenlaub, Speisereste, Kaffeefilter – alles, was in der Biotonne gesammelt wird, wird künftig in Bernburg zur Erzeugung grüner Energie genutzt.

Das Bild vom Spatenstich zeigt Ministerin Prof. Dr. Claudia Dalbert (Mitte) und MVV-Technikvorstand Dr. Hansjörg Roll (links daneben) sowie Landrat Markus Bauer (3.v.r.), Oberbürgermeister Henry Schütze (2.v.r.), den Geschäftsführer der Stadtwerke Bernburg, Gerald Bieling (2.v.l.), MVV-Umwelt-Geschäftsführer Dr. Christian Hower-Knobloch (rechts) und Holger Franke, Leiter Geschäftsentwicklung der MVV Umwelt (links).

Das Mannheimer Energieunternehmen MVV, das in Sachsen-Anhalt nicht nur bereits vier Biomethananlagen, sondern in Leuna auch eine thermische Abfallbehandlungsanlage sowie vier Windparks betreibt und Muttergesellschaft der Köthen Energie ist, hat jetzt im Gewerbegebiet West an der A14/B6n den Startschuss für den Bau einer hochmodernen Anlage für die Vergärung und energetischen Nutzung von Bioabfällen gegeben.

"Aus der Region für die Region" - das ist auch für die Umweltministerin des Landes Sachsen-Anhalt, Prof. Dr. Claudia Dalbert, ein zukunftsgerichteter Ansatz. Die neue Anlage ist ein Paradebeispiel einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft, denn sie ist eine gute regionale Lösung, um Bioabfälle stofflich und energetisch zu verwerten." Gleichzeitig wies die Ministerin auf die Bedeutung der erneuerbaren Energien für die Region hin: "Mit der MVV haben wir einen starken Energiepartner für Sachsen-Anhalt, der mit innovativen und langfristig ausgerichteten Projekten und Investitionen die nachhaltige Entwicklung in den Regionen vorantreibt."

"Mit der Erzeugung von umweltfreundlichem Biogas wird Bernburg zu einem Vorreiter der Energiewende. Mit der Vergärungsanlage leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Senkung des Ausstoßes des klimaschädlichen CO2. Die erneuerbare Energie ist praktisch hausgemacht", betonte MVV-Technikvorstand Dr. Hansjörg Roll beim symbolischen 1. Spatenstich am Montag. Nach seinen Worten belegt die Anlage, dass bei der erfolgreichen Umsetzung der Energiewende Wirtschaftlichkeit auf der einen und Klima- und Umweltschutz keine Gegensätze sind, sondern sich effizient unter einen Hut bringen lassen. In diesem Zusammenhang verwies Dr. Roll auch auf das aktuell mit starker Unterstützung der MVV entstehende Modellprojekt der "Energieregion Staßfurt", das erneuerbare Energien mit grünem Wasserstoff als Grundlage des regionalen Wirtschaftskreislaufs verbindet.

Die Bedeutung des Projekts hob beim Spatenstich auch der Landrat des Salzlandkreises, Markus Bauer, hervor. "Bioabfälle gehören zu den wertvollsten Ressourcen. Diesen regional mit der entstehenden Anlage zu verwerten, stellt einen Meilenstein auf unserem Weg zu einem klimaneutralen Landkreis dar. Denn ökologisch zu denken heißt auch, Abfälle nicht über Hunderte Kilometer zur Verwertung zu transportieren." Das Ziel zum klimaneutralen Landkreis hat der Landrat in seiner Zukunftsstrategie Salzlandkreis 2030 skizziert. Markus Bauer verwies zugleich auf den Kreistagsbeschluss zum Abfallwirtschaftskonzept aus dem Jahr 2019, wonach die vom Kreiswirtschaftsbetrieb eingesammelten Bioabfälle nur noch vergärt werden dürfen.

Dazu hatte Landrat Bauer erst vor wenigen Tagen einen entsprechenden Vertrag mit der MVV Biogas Bernburg GmbH geschlossen. "Wenn wir auch in Zukunft bei uns in der Region an einem Strang ziehen, können wir unseren gemeinsamen Aufgaben und Herausforderungen im Interesse unsere Bürgerinnen und Bürger und damit auch unserer Verantwortung für die Zukunft gerecht werden."

Als "wichtigen weiteren Baustein der Energiewende" bewertet auch Bernburgs Oberbürgermeister Henry Schütze die Investition der MVV. "Die Energiewende wird lokal umgesetzt. Wir können nicht immer nur von Klimaschutz reden, wir müssen auch etwas dafür tun - auch bei uns vor Ort." Er freut sich, dass Bernburg bei der Standortentscheidung den Zuschlag erhalten hat. Mit dem Gewerbegebiet West bietet die Stadt die optimalen Voraussetzungen, auch durch die direkte Anbindung an die Autobahn.

Das hat auch der Geschäftsführer der Stadtwerke Bernburg, Gerald Bieling, beim Baustart unterstrichen. Die Stadtwerke werden künftig das in der Anlage erzeugte Bioerdgas in ihr eigenes Gas-netz einspeisen. "Das Projekt passt sehr gut nach Bernburg, da auch die Stadtwerke bereits seit vielen Jahren auf erneuerbare Energien setzen. Dabei ist MVV mit ihrer Erfahrung und Kompetenz der ideale Partner."

Das Investitionsvolumen der Anlage liegt bei rund 20 Millionen Euro. Bei reibungslosem Bauverlauf soll die Anlage ab Ende 2021 jährlich etwa 33.000 Tonnen Bioabfälle aus Bernburg und Umgebung verarbeiten. Das regionale Bioabfallaufkommen in einem Umkreis von 50 Kilometern um Bernburg liegt bei rund 40.000 Tonnen pro Jahr.

Der Vorteil von Bioerdgas liegt auf der Hand: Es wird aus Abfällen gewonnen, die sowieso anfallen, und ist damit als erneuerbare Energie deutlich zuverlässiger verfügbar als Windkraft und Sonnenenergie. So steckt nach Berechnungen des Naturschutzbundes Deutschland allein in einer Bananenschale genug Energie, um eine 11-Watt-Lampe 34 Minuten mit Strom zu versorgen. Gleich-zeitig vermeidet die Biovergärungsanlage im Vergleich zu der bisher üblichen, offenen Kompostierung der Bioabfälle den Ausstoß klimaschädlicher Emissionen. So werden pro Jahr rund 7.900 Tonnen CO2 eingespart. Das entspricht rund 44 Millionen gefahrener Autokilometer.

In der Anlage zersetzen Bakterien unter Luftabschluss in einem natürlichen Prozess den organischen Abfall, ohne dass Gas in die Atmosphäre entweicht. Sämtliche Behälter der Anlage sind gas- und geruchsdicht. Ein leistungsfähiges Absaugverfahren reinigt sowohl den Annahmebereich als auch die gesamte Hallenluft. Die gesamte Abluft wird in einem modernen Biofilter gereinigt. Neben den Vorteilen für die Umwelt schafft das Projekt zudem Ent- und Versorgungsicherheit und stärkt die Wertschöpfung in der Region. In der Anlage selbst entstehen bis zu fünf neue Arbeitsplätze.

Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft
und Energie des Landes Sachsen-Anhalt

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