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Ausgezeichnete UN-Dekade Projekte 2020

30 Jahre Brockenrenaturierung - Was lange währt, wird endlich gut.

Von den vielen Projekten, die von der UN-Dekade „Biologische Vielfalt“ bisher ausgezeichnet wurden, ist das Projekt „Brockenrenaturierung“ das Einzige, das über einen Zeitraum von 30 Jahren umgesetzt wurde.

Im Dezember 1989 war der Brocken großflächig versiegelt und von einer 3,5 Meter hohen Betonmauer umgeben. Trotz massiver Nutzungsansprüche konnte mit Gründung des Nationalparks Hochharz am 1. Oktober 1990 die Grundlage für den Rückbau überflüssig gewordener Gebäude sowie versiegelter Flächen geschaffen werden.

Die Brockenrenaturierung startete im Jahr 1990 mit dem Rückbau der großflächigen Militäranlagen. Die Brockenmauer wurde abgebaut, der Kalkschotter entfernt und Versuchsflächen angelegt, die zeigen sollten, dass sich nach der Entsiegelung auf ehemals betonierten Flächen Bodenvegetation spontan entwickeln kann. Geleitet wurde das Projekt von Anfang an bis heute von Dr. Gunter Karste, dem „Brockengärtner“ der Nationalparkverwaltung Harz.

1994 erfolgte nach Abzug der russischen Streitkräfte der Abriss des Militärcamps, der Radome, alter Garagen und diverser Grenzbefestigungsanlagen.

2014 sind von ehemals 53.000 m² bebauter und versiegelter Fläche nur noch 10.000 m² bebaut und versiegelt.

Nicht nur die Versiegelungen wurden entfernt. Auf dem Bergplateau haben sich aufgrund erhöhter niederschlagsbedingter Nährstoffeinträge Gräserdominanzbestände herausgebildet, die unter anderem die Existenz der Charakterart des Berges, der Brockenanemone, gefährdet. Um diese und andere Arten des Brockens vor dem Aussterben zu bewahren, wurden und werden Biotoppflegemaßnahmen wie Mahd und Abtransport, Beweidung mit Rotem Harzer Höhenvieh und Abplaggen durchgeführt. Ziel ist es, den Anteil der Zwergstrauchheiden, in denen die bedrohten Arten natürlicherweise vorkommen, zu erhöhen. Hierfür standen finanzielle Mittel im Rahmen der Umwelt-und Artensofortförderprogramme des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft und Energie des Landes Sachsen-Anhalt zur Verfügung.

Maßgeblichen Anteil an der Heideförderung haben die vielen Ehrenamtlichen, die im Rahmen von Arbeitseinsätzen einen Beitrag hierzu leisteten und leisten. Organisiert werden diese Einsätze in Zusammenarbeit von NABU-Kreisverband Harz und Nationalparkverwaltung Harz. Weitere Partner bei der Umsetzung des Projektes „Brockenrenaturierung“ sind der Landschaftspflegeverband Harz e.V., der Brockenbauer Thielecke und die Gärtnerei „Harzerfrischend“.

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Mit Wasserbüffeln und Exmoorponys zu neuer biologischer Vielfalt

Mit dem Projekt "Naturnahe Ganzjahresweide Seelsches Bruch" in Verantwortung des Betriebes "Weidelandwirtschaft Seelsches Bruch" haben die Verantwortlichen der Agrargenossenschaft Emden eG im Zusammenwirken mit diversen Behörden, Verbänden und anderen Beteiligten erfolgreich das Konzept einer naturnahen Ganzjahresweide realisiert. Es gelang im Seelschen Bruch ein Herdenmix von Wasserbüffeln und Exmoorponys anzusiedeln, die eine rotbunte Mutterkuhherde vervollständigt.

Das Seelsche Bruch liegt zwischen Hakenstedt, Uhrsleben, Erxleben/Eimersleben, Ummendorf und Ovelgünne.

Die etablierte Agrargenossenschaft, die bereits mehrere Jahre für die Bewirtschaftung der vom Bund erworbenen Wiedervernässungsflächen im Seelschen Bruch verantwortlich ist, übernahm die Trägerschaft für das Projekt „Naturnahe Ganzjahresweide Seelsches Bruch“, für das der angegliederte Bewirtschafter „Weidelandwirtschaft Seelsches Bruch“ zur Verfügung steht.

Von den rund 220 Hektar der Grünlandfläche wurden 80 Hektar mit einem stromführenden Zaun eingekoppelt. Dazu wurden 750 Robinienpfähle gerammt, circa 15.000 Meter Draht gespannt, acht Weidetore, ein Unterstand und eine solarbetriebene Stromversorgung errichtet. 

Die Wasserbüffel, Exmoorponys und Fleckvieh-Rinder weiden auf der großen eingezäunten Teilfläche, die aus Weideland, Gräben und mit Wasser gefüllten Mulden besteht. 

Die Begeisterung wollen die Landwirte auch mit anderen Menschen teilen. Deshalb soll am Rande der Weidefläche ein Aussichtsturm errichtet werden. Die Tiere bewegen sich auf der großen Fläche frei und stehen meist in getrennten Herden weit voneinander entfernt.

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Blühwiesenprojekt in Düsedau

"Im Kleinen zu wirken, kann helfen, Großes herzvorzubringen" lautet das Motto des Blühwiesenprojektes der Familie Thomsen aus Düsedau.

Im Projekt werden traditionell genutzte Ackerflächen in zweijährige Blühwiesen umgewandelt. Diese sind auf Flächen entstanden, die ansonsten für den Mais- und Getreideanbau genutzt werden. Für dieses Projekt wurde die Öffentlichkeit aufgerufen, sich direkt als Patinnen und Paten zu engagieren. Dies gelang, indem die Patinnen und Paten 100 Quadratmeter einer zweijährigen Blühwiese mit einem Basispreis von 50 Euro unterstützen.

Familie Thomsen zeigt mit ihrem Blühwiesenprojekt ganz praktisch, wie interessierte Menschen, informierte Verbraucher und Verbraucherinnen den Landbewirtschaftenden gleichsam "unter die Arme greifen" können, damit diese auf ihren Ackerflächen neben Lebensmitteln auch biologische Vielfalt produzieren.

Die entstandene Vielfalt wird sowohl für die Landbewirtschaftenden als auch für die Patinnen und Paten mit einem Besuch der Blühflächen erlebbar. Die vielfältigen Blühflächen bieten sowohl Wildbienen, Honigbienen und vielen anderen wildlebenden Insekten Nahrung. Durch die bunten und abwechslungsreichen Blühmischungen finden Insekten über einen langen Zeitraum im Jahr Nektar und Pollen sowie Brutmöglichkeiten.

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Hintergrund UN-Dekade

Die UN-Dekade Biologische Vielfalt von 2011 bis 2020 soll das öffentliche Bewusstsein für den Wert, den Schutz und die nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt fördern. Dazu werden vorbildliche Projekte ausgezeichnet, deren Träger die biologische Vielfalt schützen, untersuchen oder kommunizieren.

Bewerben können sich einzelne Akteure, ehrenamtliche Gruppen oder Vereine, Unternehmen und staatliche Organisationen unter: www.un-dekade-biologische-vielfalt.de. Hier finden sich Informationen zu den Themenfeldern und Kriterien der Fachjury sowie dem Bewerbungsverfahren. Wichtig ist, dass das Projekt seinen Handlungs- oder Bildungsschwerpunkt in Deutschland hat und bereits erste Ergebnisse vorliegen. Die Auszeichnung umfasst eine Urkunde, einen gegenständlichen Preis und Materialien für die Öffentlichkeitsarbeit sowie die Präsentation auf der deutschen Dekade-Webseite.

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Abteilung Naturschutz, Wasserwirtschaft

Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie des Landes Sachsen-Anhalt
Leipziger Straße 58
39112 Magdeburg

Telefon: +49 391 567- 01
E-Mail: Poststelle(at)mule.sachsen-anhalt.de