Strahlenschutz

Verantwortung des Ministeriums

Das Ministerium arbeitet in Beratungsgremien des Bundes und der Länder zum Atom- und Strahlenschutzrecht sowie der Endlagersuche mit. Es trägt Verantwortung im Mitwirkung bei Gesetzgebungsverfahren. Das Ministerium ist verantwortlich für die Durchführung von Genehmigungs- und Planfeststellungsverfahren nach dem Atomgesetz einschließlich Aufsichtsmaßnahmen und für die Überwachung des Transports radioaktiver Stoffe. Weiterhin muss die Sicherstellung radioaktiver Stoffe in Zusammenarbeit mit den Polizeibehörden gewährleistet sein. Die Überwachung der Verwertung radioaktiver Reststoffe und der geordneten Beseitigung radioaktiver Abfälle (Landessammelstelle) ist ein weiteres Aufgabengebiet.

>>> Radioaktivität und Strahlung

Radioaktivität ist in unserer Umwelt allgegenwärtig. Radioaktive Stoffe sind zum einen natürlichen Ursprungs - natürliche Radionuklide sind in der Erdkruste vorhanden -, zum anderen wird Radioaktivität künstlich erzeugt und freigesetzt, zum Beispiel durch oberirdische Kernwaffenversuche oder den Betrieb von Kernkraftwerken. Ferner können radioaktive Stoffe durch Anwendung in Medizin, Forschung und Technik in die Umwelt gelangen.

Neben den natürlichen Strahlenquellen - vor allem Radon und dessen Folgeprodukte - bilden vor allem die künstlichen Strahlenquellen aus dem Bereich der Medizin die Ursache für die Strahlenexposition des Menschen.
Die mittlere jährliche Strahlenexposition durch die medizinische Anwendung ionisierender Strahlen und radioaktiver Stoffe liegt bei etwa 1,9 Millisievert (mSv) pro Jahr, das ist die gleiche Größenordnung wie die natürliche Strahlenexposition. Der Hauptanteil wird dabei durch die Röntgendiagnostik verursacht. Die weiteren Beiträge zur zivilisatorischen Strahlenbelastung sind gering.
Um Mensch und Umwelt vor den Gefahren der Kernenergienutzung und der schädlichen Wirkung ionisierender Strahlung zu schützen, gibt es in Deutschland eine Reihe von gesetzlichen Regelungen: Das Atomgesetz (AtG, 1959) und die zugehörige Strahlenschutzverordnung (StrSchV, 2001) enthalten Vorschriften über die Genehmigung und den Betrieb kerntechnischer Anlagen. Sie regeln den Umgang mit radioaktiven Stoffen und enthalten Überwachungs- und Schutzvorschriften. Die Überwachung der Radioaktivität in der Umwelt wird vom Strahlenschutzvorsorgegesetz (StrVG, 1986) vorgeschrieben.

Atom- und Strahlenschutzrecht

Haupt­aufgabe der atom­recht­lichen Ge­neh­migungs-, Plan­fest­stel­lungs- und Auf­sichts­be­hörden ist der Schutz von Leben, Gesund­heit und Sach­gütern vor den Ge­fahren der Kern­ener­gie und der schäd­lichen Wir­kung ionsierender Strahlen. Die Grund­lage hier­für bilden das Atom­ge­setz mit seinen Rechtsverordnungen sowie unter­ge­setz­liche Regel­werke.

>>> Rechtsquellen

  1. Gesetz über die fried­liche Ver­wen­dung der Kern­ener­gie und den Schutz gegen ihre Ge­fahren (Atom­gesetz)
    Es bildet die Grund­lage des Atom- und Strahlen­schutz­rechts. Es enthält die wesent­lichen Vorschrif­ten, die bei der Nutzung der Kern­ener­gie ein­zu­halten sind und be­in­hal­tet inter­nationale Ver­pflichtungen der Bundes­re­publik Deutsch­land auf dem Gebiet der Kern­ener­gie und des Strahlen­schutzes.
  2. Gesetz zum vor­sor­gen­den Schutz der Be­völ­kerung gegen Strahlen­be­lastung (Strahlen­schutz­vorsorge­gesetz)
    Es regelt die Art und Weise der durch Bund und Länder vor­zu­nehmen­den Mes­sungen der Radio­akti­vität in allen wichtigen Umwelt­medien und in der Nah­rungs­ket­te.
  3. Ver­ord­nung über den Schutz vor Schäden durch ionisierende Strahlen (Strahlen­schutz­ver­ordnung)
    Sie enthält Rege­lungen zum Schutz so­wohl von Per­sonen, die beruf­lich mit radio­akti­ven Stof­fen um­gehen, als auch der Be­völ­kerung vor der schädigen­den Wir­kung der Strahlung.
  4. Ver­ord­nung über den Schutz vor Schäden durch Rönt­gen­strahlen (Rönt­gen­ver­ord­nung)
    Sie regelt den Strahlen­schutz beim Betrieb von Rönt­gen­ein­rich­tungen.

 

 

Zuständig­keiten im Atom- und Strahlen­schutz­recht

Dem Bund steht gemäß Grund­gesetz die Gesetz­ge­bung auf dem Gebiet des Atom- und Strahlen­schutzrechts zu. Der Bund hat hiervon mit dem Atom­gesetz und weiteren Rechts­vorschriften Gebrauch gemacht. Die Länder führen die Gesetze in Bundes­auf­trags­ver­wal­tung aus. Dem Bund stehen damit weit­gehende Auf­sichts­rechte zu. Im Einzel­fall kann er den Ländern Wei­sungen erteilen.

Auf Landes­ebene obliegt dem Minis­terium für Um­welt, Landwirtschaft und Energie als oberste Landes­behörde die Geneh­migungs- und Auf­sichts­kompetenz für kern­tech­nische Anlagen. Die Auf­sicht erstreckt sich aller­dings nicht auf das Endlager für radioaktive Abfälle Morsleben (ERAM). In diesem spe­ziellen Fall führt der Bund mit der beim Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) angegliederten Eigen­über­wachung Bundes­end­lager die Auf­sicht selbst.

Im Rahmen der Strahlen­schutz­vor­sorge erledigt das Landes­amt für Um­welt­schutz Mess­auf­gaben. Es betreibt die Landes­mess­stelle. Zu den Haupt­auf­gaben der Landes­mess­stelle zählen die Über­wachung der Umwelt­radio­akti­vität und die Über­gabe der Daten in das Inte­grierte Mess- und In­for­mations­sys­tem (IMIS) des Bundes.

Die jeweilige Zu­ständig­keit der Landes­behörden ist in der Zu­stän­dig­keits­ver­ord­nung für das Atom- und Strahlen­schutz­recht (At-ZustVO) geregelt.

>>> Endlagersuche

Mit dem von Bundestag und Bundesrat beschlossenen Standortauswahlgesetz für ein atomares Endlager ist die Suche nach einem Endlager für hochradioaktive Abfälle in Deutschland neu gestartet. Der im großen politischen Konsens beschlossene Neustart der Endlagersuche geht von einer weißen Landkarte Deutschlands aus, ohne Vorfestlegungen zu einem Ausschluss oder einer Bevorzugung von Regionen. Mit den in der Endlagerkommission vereinbarten Suchkriterien sollen für die drei Wirtsgesteine Salz, Ton und Kristallin mögliche Standortregionen gefunden werden, welche dann weiter erkundet werden... weiterlesen

>>> Landessammelstelle für radioaktive Abfälle

Nach dem Atom­gesetz ist das Land Sachsen-Anhalt verpflichtet, eine Landes­sammel­stelle für die in seinem Gebiet anfallenden radio­aktiven Abfälle einzurichten. Die Abfälle sind dort bis zur Ablieferung an ein Bundesendlager zwischen zulagern. Der Betrieb einer eigenen Landes­sammel­stelle für Sachsen-Anhalt wäre unwirt­schaft­lich, weil nur ein kleiner Teil der in den Bereichen Medizin, Forschung und Gewerbe an­fallen­den radio­akti­ven Rest­stoffe als radio­akti­ve Abfälle ent­sorgt werden muss... weiterlesen

>>> Atomrecht

Haupt­aufgabe der atom­recht­lichen Ge­neh­migungs-, Plan­fest­stel­lungs- und Auf­sichts­be­hörden ist der Schutz von Leben, Gesund­heit und Sach­gütern vor den Ge­fahren der Kern­ener­gie und der schäd­lichen Wir­kung ionsierender Strahlen. Die Grund­lage hier­für bilden das Atom­ge­setz mit seinen Rechtsverordnungen sowie unter­ge­setz­liche Regel­werke... weiterlesen

>>> Endlager Morsleben

Das Endlager für radioaktive Abfälle Morsleben (ERAM) wurde seit 1971 im ehemaligen Kali- und Steinsalzbergwerk Bartensleben (Landkreis Börde) errichtet. Schrittweise wurden durch die damaligen Behörden der DDR Genehmigungen zur Einlagerung der Abfälle erteilt, zuletzt 1986 die unbefristete Genehmigung zum Dauerbetrieb (Dauerbetriebsgenehmigung, DBG). Nach der Wiedervereinigung ging die Zuständigkeit für das ERAM auf das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) als Betreiber über. Im Zuge der Neuorganisation der Behörden im Endlagerbereich  hat die 2016 neu gegründete Bundesgesellschaft für Endlagerung mbH (BGE) am 25. April 2017 die Aufgabe des Betreibers des Endlagers Morsleben vom BfS übernommen... weiterlesen

>>> Radioaktivität in der Umwelt

Die natürliche Strahlenexposition des Menschen resultiert aus der Summe der Wirkungen der kosmischen Strahlung, der Strahlung der natürlichen Radionuklide in der Umwelt des Menschen und sowie der Strahlung der natürlichen Radionuklide, die sich im Körper jedes Menschen befinden. Im Jahr 2004 betrug in Deutschland die effektive Dosis, die durch die kosmische Strahlung hervorgerufen wird, im Mittel 0,3 mSv/a (Millisievert/Jahr). Die Dosis durch kosmische Strahlung ist abhängig von der geographischen Breite sowie der Höhe über dem Meeresspiegel... weiterlesen

>>> Transport radioaktiver Stoffe

Jedes Jahr werden in Deutsch­land mehrere hundert­tausend Trans­porte radio­akti­ver Stoffe durchgeführt. Das be­deu­tet, dass jeden Tag etwa 1.200 Ver­sand­stücke mit radio­akti­vem Inhalt auf Straße, Schiene, zur See und in der Luft quer durch ganz Deutsch­land be­för­dert werden.Die meisten dieser Trans­porte finden für Mess- und For­schungs­ein­rich­tungen sowie für medi­zinische Anwendungen statt. Dem­ge­gen­über fallen auf den Trans­port ab­ge­bran­nter Brenn­ele­men­te ledig­lich 0,02 Prozent vom Gesamt­anteil aller Trans­porte. Doch auf diese jähr­lich knapp 100 CASTOR-Transporte ent­fal­len mehr als 99,5 Prozent der ins­ge­samt be­förderten Akti­vität... weiterlesen

>>> Radon in Sachsen-Anhalt

Radon-222 ist ein natürlich im Boden vorkommendes Edelgas. Es entsteht als Zwischenprodukt beim Zerfall von Radium-226. Radon ist unsichtbar, man kann es nicht riechen und schmecken. Es brennt nicht und ist nicht giftig, aber radioaktiv. Als Gas ist es ausgesprochen mobil, kann sich vom Entstehungsort aus in den Boden- und Gesteinsschichten verteilen und in die freie Atmosphäre austreten. Über undichte Fundamente gelangt es in Gebäude und kann sich dort anreichern. Die ständige Inhalation hoher Radon-Konzentrationen und seiner Folgeprodukte kann Lungenkrebs auslösen... weiterlesen