Radon in Sachsen-Anhalt

Radon-222 ist ein natürlich im Boden vorkommendes Edelgas. Es entsteht als Zwischenprodukt beim Zerfall von Radium-226.

Radon ist unsichtbar, man kann es nicht riechen und schmecken. Es brennt nicht und ist nicht giftig, aber radioaktiv. Als Gas ist es ausgesprochen mobil, kann sich vom Entstehungsort aus in den Boden- und Gesteinsschichten verteilen und in die freie Atmosphäre austreten. Über undichte Fundamente gelangt es in Gebäude und kann sich dort anreichern.

Die ständige Inhalation hoher Radon-Konzentrationen und seiner Folgeprodukte kann Lungenkrebs auslösen.

Das Bundesamt für Strahlenschutz hat für Deutschland eine Übersichtskarte der Radonkonzentration in der Bodenluft herausgegeben. Bürger, die in Regionen mit erhöhten Radonkonzentrationen leben, können sich durch geeignete Verhaltens- und Vorsorgemaßnahmen vor gesundheitlichen Risiken schützen.

Weiterführende Informationen finden Sie unter:

www.bmu.de
www.ssk.de
www.radon-info.de

>>> Radongebiete in Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt gibt es Gebiete mit erhöhter Radonkonzentration in der Bodenluft. In der Grafik ist ein Ausschnitt einer Radon-Übersichtskarte dargestellt, die im Rahmen eines Forschungsvorhabens zur Radonkonzentration in der Bodenluft für Deutschland erstellt wurde. Wegen der geringen Dichte der Messpunkte dient die Karte zur als Orientierung.

Im Norden und Osten Sachsen-Anhalts wurden nur geringe Radonkonzentrationen in der Bodenluft gemessen, während vor allem im Südwesten die Messwerte leicht erhöht sind. Gelb und rot markierte Gebiete in der Grafik deuten darauf hin, dass dort die empfohlenen Werte der Europäischen Kommission überschritten werden können

Für Gebiete mit erhöhter Radonkonzentration in der Bodenluft wird empfohlen, Messungen in den am meisten genutzten Räumen durchführen zu lassen und falls erforderlich, Maßnahmen zur Senkung der Radonkonzentration einzuleiten.

In den Jahren 2001 und 2002 hat das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) insgesamt 1.670 Langzeitmessungen in bestehenden Wohnungen und Gebäuden in auffälligen Gebieten in Sachsen-Anhalt durchgeführt, wobei eine Weitergabe der bewerteten Ergebnisse an die Betroffenen erfolgte. In öffentlichen Räumlichkeiten mit Radonkonzentrationen über 400 Bq/m3 wurde überwiegend durch einfache Maßnahmen eine ausreichende Verringerung der Radonkonzentration erreicht.

Aus der bisherigen Erfahrung mussten in den wenigsten Fällen Radonsanierungsmaßnahmen empfohlen werden.

Auskünfte zu Radon in Sachsen-Anhalt erhalten Sie beim:

Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt
Fachgebiet Umweltradioaktivität/Strahlenschutz
Reideburger Straße 47
06116 Halle ( Tel.: 0345 5704-0)

Bei Neubauten in betroffenen Gebieten sollten bereits in der Planungsphase Schutzmaßnahmen in Abhängigkeit von der Höhe der Radonkonzentration in der Bodenluft berücksichtigt werden.

>>> Radon in Gebäuden

Tritt Radon aus dem Boden aus, wird es entweder im Freien in die Luft oder aber in Gebäuden freigesetzt. Während die Radonkonzentration im Freien durch Vermischen mit der Umgebungsluft nur wenige zehn Bq/m3 beträgt, ist sie in Wohnräumen in Deutschland im Durchschnitt drei- bis viermal höher, da das Radon unverdünnt aus dem Untergrund in das Gebäude eindringt. Es ist somit bestimmend für die durch das Radon verursachte Strahlenbelastung der Bewohner. Ausgehend von der Radonkonzentration in der Bodenluft liegt das Verhältnis von Radon in der Raumluft zu Radon in der Bodenluft bei ca. 1 bis 5 ‰, d.h. bei einer Aktivitätskonzentration in der Bodenluft von z. B. 100 kBq/m³ könnten Werte im Bereich von 100 bis 500 Bq/m³ in der Raumluft des Gebäudes auftreten.

Das Radon gelangt durch undichte Stellen im Fundament oder in den Kellerräumen in das Haus und breitet sich dort über Treppenaufgänge, Kabelkanäle und Versorgungsschächte aus.

Die Radonkonzentration in Gebäuden wird durch gebäudespezifische Einflussfaktoren bestimmt:

  • das Radonangebot im Boden und seine Beschaffenheit,
  • den Zustand des Gebäudes,
  • einen möglichen Kamineffekt im Gebäude,
  • das Lüftungsverhalten der Gebäudenutzer.

>>> Auswirkungen des Radons auf den Menschen

Radon-220 (Thoron) hat eine kurze Halbwertszeit von 55 Sekunden und ist für die Einwirkung ionisierender Strahlung auf den menschlichen Körper in Gebäuden von untergeordneter Bedeutung.

Radon-222 ist ein Edelgas. Es wird mit der Atemluft aufgenommen und zum größten Teil wieder ausgeatmet. Die Zerfallsprodukte Polonium, Blei oder Wismut werden in den Atmungsorganen abgelagert.

Untersuchungen bei größeren Bevölkerungsgruppen geben Grund zur Annahme, dass ein Zusammenhang zwischen der Radon-Exposition und dem Lungenkrebsrisiko besteht. Allerdings dürfen für eine Bewertung der Gefährdung andere Faktoren wie Rauchen, Feinstaub und weitere Schadstoffe nicht außer Acht gelassen werden. So zeigen Studien, dass das auf Radon basierende Lungenkrebsrisiko durch gleichzeitiges Rauchen erhöht wird - die meisten radonbedingten Lungenkrebsfälle treten bei Rauchern auf. Somit wird die Frage zur Festlegung der Höhe eines Grenzwertes der Radonkonzentration in Wohnräumen von Experten auch unterschiedlich bewertet.

Gleichwohl wird Radon für therapeutische Zwecke zur Linderung von schmerzhaften Beschwerden des Bewegungsapparates eingesetzt.

>>> Radon in der Umwelt

In der Erdkruste sind auch radioaktive Stoffe, wie Uran, Thorium und das Mutternuklid des Radons, das Radium, enthalten. Die Art und Weise der geologischen Prozesse, die in der Folge entstandenen geologischen Lagerungsbedingungen und die Eigenschaften der Radionuklide bestimmen die Konzentration der "natürlichen" radioaktiven Stoffe in den Gesteinen und im Boden.

>>> Künstliche Radionuklide

Durch die Nutzung der Kernenergie, vor allem durch ihre militärische Anwendung, sind in den letzten 50 Jahren radioaktive Nuklide in die Umwelt gelangt, die bisher in der Natur nicht vorhanden waren. Von Kernkraftwerken werden im Normalbetrieb derartige radioaktive Substanzen emittiert, deren Aktivität jedoch weit unter dem Niveau der natürlichen Radioaktivität liegt.

Bei dem Reaktorunfall in Tschernobyl 1986 sind gewaltige Mengen künstlicher Radionuklide freigesetzt worden, die sich in der gesamten nördlichen Hemisphäre nachweisen lassen.

>>> Natürliche Radionuklide

In der Erdkruste gibt es seit Entstehung der Erde eine größere Zahl radioaktiver Nuklide, die überwiegend aus drei natürlichen Zerfallsreihen stammen. Am Anfang der Zerfallsreihen stehen Uran-238 (Uran-Radium-Reihe), Uran-235 (Uran-Actinium-Reihe) und Thorium-232 (Thorium-Reihe).

Weitere natürliche Radionuklide bilden sich ständig durch Kernreaktionen in den höheren Schichten der Erdatmosphäre. Aus dem Weltall und von der Sonne treffen freie Protonen mit großer Energie auf die obersten Luftschichten und reagieren mit Atomkernen, wobei sich die Isotope Wasserstoff-3 (Tritium), Beryllium-7 und Kohlenstoff-14 bilden.

Natürliche Radionuklide und ihre Strahlung existieren unabhängig von der Tätigkeit des Menschen. Sie sind als Teil der Umwelt allgegenwärtig und finden sich in unterschiedlichen Mengen in der belebten und unbelebten Natur.

Das Radioaktivitätsinventar des Menschen beträgt ca. 7.500 Becquerel (1 Becquerel (Bq) = 1 Zerfall pro Sekunde).