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Hochwasserschutz

Katastrophen wie das Hochwasser im Juni 2013 erinnern uns daran, dass wir Naturereignisse nicht beliebig kontrollieren können. Hochwasser sind Teil des natürlichen Wasserkreislaufes und begünstigen eine heterogene, natürliche Gewässerstruktur. Die Natur kennt keine Hochwasserschäden. Durch Eingriffe des Menschen wurden das Gewässer und die Flussaue verändert und einer zunehmenden wirtschaftlichen Nutzung unterworfen. So erhöhten sich Hochwasserrisiko und Hochwasserschadenspotential gleichzeitig.

Moderner Hochwasserschutz basiert auf der Analyse des Hochwasserrisikos und des Hochwasserschadenpotentials und zielt auf die Minderung von Schäden.

Drei Säulen

Der Hochwasserschutz in Sachsen-Anhalt baut auf den drei Säulen

  • Natürlicher Wasserrückhalt in der Fläche (Hochwasserflächenmanagement)
  • Technischer Hochwasserschutz
  • Hochwasservorsorge auf.

Natürlicher Wasserrückhalt bedeutet, das auf der Fläche der Einzugsgebiete und in den Gewässern und Auen anfallende Wasser am sofortigen Abfließen zu hindern. Jeder Kubikmeter Wasser, der nicht sofort zum Abfluss kommt, ist ein Gewinn für den Wasserhaushalt und eine Entlastung bei Hochwasser.

Die Anlagen des technischen Hochwasserschutzes sind Teil der Infrastruktur, wie Straßen, Energieversorgung und Telekommunikation, zum Nutzen der Bürger. Eine absolute Sicherheit kann nicht garantiert werden, insbesondere bei Überschreiten der zu Grunde gelegten Leistungsparameter. Mit Deichen, Rückhaltebecken und Talsperren werden bis zum Bemessungsfall verbesserte Nutzungsmöglichkeiten gewährleistet. Der Unterhaltung dieser Anlagen kommt eine besondere Bedeutung zu. Sie ist permanente Aufgabe und darf im Interesse der öffentlichen Sicherheit nicht vernachlässigt werden.

Die Hochwasservorsorge beinhaltet, sich auf die Gefahren, die von Hochwasser ausgehen können, einzustellen. Das gilt auch für den Fall, dass ein über die Bemessung der technischen Hochwasserschutzanlagen hinausgehendes oder noch höheres Hochwasser als das bisher bekannte auftritt. Die Hochwasservorsorge umfasst:

  • Flächenvorsorge
    Die Festsetzung von Überschwemmungsgebieten bietet z.B. die Möglichkeit, nur standortgerechte Nutzungen zuzulassen und eine weitere Bebauung dieser Gebiete zu verhindern.
  • Bauvorsorge
    Mit einer entsprechenden Anpassung vorhandener Bebauungen und Nutzungen können bei auftretenden Überschwemmungen Hochwasserschäden vermieden oder vermindert werden.
  • Verhaltensvorsorge
    Maßgeblich sind die Zeiträume zwischen dem Anlaufen eines Hochwassers und dem Eintritt der kritischen Hochwasserstände. Diese Zeiträume, die für die Schadensbegrenzung im Überflutungsfall zur Verfügung stehen, werden von den Möglichkeiten der Hochwasservorhersage vorgegeben. Ein gut organisierter Hochwassermeldedienst kann die Vorraussetzungen schaffen, um für das rechtzeitige Handeln Betroffener zu sorgen.
  • Risikovorsorge
    Für den Fall, dass trotz aller vorgenannten Strategien ein Hochwasser-schaden eintritt, ist eine finanzielle Eigenvorsorge der Bürger empfehlenswert. Öffentliche Risikovorsorge, Eigenvorsorge und versicherungsgestützte Eigenvorsorge können jeweils bestimmte Segmente des Hochwasserrisikos abdecken.

Weitergehende Hochwasservorsorge

Ergänzend zum technischen Hochwasserschutz sind folgende Maßnahmen der

weitergehenden Hochwasservorsorge erforderlich:

  • Flächenvorsorge - möglichst kein Bauland in überschwemmungsgefährdeten Gebieten ausweisen,
  • Bauvorsorge -angepasste Bauweisen und Nutzungen, die mögliche Hochwasserüberflutungen schadlos überstehen lässt
  • Verhaltensvorsorge -Warnung vor einem anlaufenden Hochwasser und Umsetzung dieser Warnung vor Ort in konkretes Handeln
  • Risikovorsorge - finanzielle Vorsorge für den Fall, dass trotz aller vorgenannten Strategien ein Hochwasserschaden eintritt
  • Bewusstsein wecken - dass auch in deichgeschützten Gebieten eine Hochwassergefahr nie ganz ausgeschlossen werden kann

Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie

Die Richtlinie 2007/60/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 23. Oktober 2007 über die Bewertung und das Management von Hochwasserrisiken (Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie, HWRM-RL) stellt die erste umfassende europäische Rechtsvorschrift im Bereich Hochwasserschutz dar. Dabei liegt das explizite Ziel der Richtlinie darin, einen Rahmen für die Bewertung und das Management von Hochwasserrisiken zur Verringerung der hochwasserbedingten nachteiligen Folgen auf die menschliche Gesundheit, die Umwelt, das Kulturerbe und wirtschaftliche Tätigkeiten in der Gemeinschaft zu schaffen. Die Richtlinie steht im engen Zusammenhang mit der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL). Die Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie verfolgt entsprechend der Wasserrahmenrichtlinie die Betrachtung in Flusseinzugsgebieten.

Die Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie wurde mit dem Gesetz zur Neuregelung des Wasserrechts vom 31. Juli 2009 in deutsches Recht überführt. Das mit diesem Gesetz novellierte Wasserhaushaltsgesetz trat am 01. März 2010 in Kraft.

Ziel der Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie ist es, einen Rahmen für die Bewertung und das Management von Hochwasserrisiken zur Verringerung der hochwasserbedingten nachteiligen Folgen auf die

  • menschliche Gesundheit
  • die Umwelt
  • das Kulturerbe und
  • wirtschaftliche Tätigkeiten

in der Gemeinschaft zu schaffen (Artikel 1 HWRM-RL).

Als fachliche Aufgaben gibt die HWRM-RL den Mitgliedsstaaten folgende Arbeitsschritte mit unterschiedlichen Durchführungsfristen vor, zu denen die Bund/Länder-Arbeitgemeinschaft Wasser jeweils Empfehlungen zur Bearbeitung herausgegeben hat:

  • vorläufige Bewertung der Hochwasserrisiken in den Flussgebietseinheiten bis 22. Dezember 2011
  • Erstellen von Hochwassergefahrenkarten und Hochwasserrisikokarten für die Hochwasserrisikogebiete bis 22. Dezember 2013
  • Aufstellung von Hochwasserrisikomanagementplänen für die Hochwasserrisikogebiete bis 22. Dezember 2015

Ergebnis der vorläufigen Bewertung des Hochwasserrisikos in Sachsen-Anhalt

Im Ergebnis der vorläufigen Bewertung des Hochwasserrisikos im Jahr 2011 wurden in Sachsen-Anhalt 1.865 km Gewässerstrecke mit einem potentiellen signifikanten Hochwasserrisiko (Risikogewässer) ausgewiesen. Davon entfielen 1794 km auf das Einzugsgebiet der Elbe und 71 km auf das Einzugsgebiet der Weser.

Bis zum 22.12.2018 war die Überprüfung und Aktualisierung der Hochwasserrisikobewertung abzuschließen.

Wie auch im ersten Umsetzungszyklus wurde die Überprüfung der Risikobewertung auf Grundlage verfügbarer oder leicht abzuleitender Informationen, wie etwa Aufzeichnungen und Studien zu langfristigen Entwicklungen durchgeführt. Zusätzlich wurden die Hochwasserrisiko- und Hochwassergefahrenkarten sowie seit dem ersten Zyklus eingetretene Hochwasserereignisse in die Überprüfung einbezogen.

Maßgeblich waren dabei Erkenntnisse, die aus den letzten vergangenen Hochwasserereignissen abgeleitet wurden, diese waren vor allem das Hochwasser 2013 an der Elbe und Nebengewässern sowie das Hochwasser 2017 im Harz.

Im Ergebnis der Risikobewertung wird der Großteil der im Jahr 2011 mit einem potentiellen signifikanten Hochwasserrisiko bewerteten Gewässer bzw. Gewässerabschnitte bestätigt. Einige Veränderungen hat es jedoch gegeben. So sind der Goldbach und der Suenbach im Harz neu als Risikogewässer bewertet worden. Andere Gewässer bzw. Gewässerabschnitte werden nicht mehr als Risikogewässer bewertet.

In Sachsen-Anhalt ist nunmehr eine Gewässerstrecke von insgesamt 1.848. km an 64  Gewässern mit einem potentiellen signifikanten Hochwasserrisiko ausgewiesen.

Der Kurzbericht zur Aktualisierung der Bewertung des Hochwasserrisikos in Sachsen-Anhalt kann hier nachgelesen werden.

Bis zum 22.12.2019 werden in einem nächsten Schritt die bestehenden Hochwassergefahren- und Hochwasserrisikokarten überprüft und ggf. aktualisiert. Für die neuen Risikogewässer werden erstmals Karten erstellt.

Hochwassermeldedienst

Der Schutz vor Hochwassergefahren erfordert neben technischen Maßnahmen auch die frühzeitige Warnung vor extremen Wasserstandsentwicklungen in den hochwassergefährdeten Gewässern des Landes Sachsen-Anhalt. Das Land arbeitet hierbei eng  mit den Nachbarländern und der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes zusammen.

Die Verordnung über den Hochwassermeldedienst vom 25. November 2014 (GVBl. LSA S. 489) sowie die damit verbundene Verwaltungsvorschrift - Hochwassermeldeordnung (HWMO) vom 1. Dezember 2014 (MBl. LSA v. 10.12.2014) regeln den Hochwassermeldedienst in Sachsen-Anhalt.

Der Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft ist die Hochwasservorhersagezentrale (HVZ) des Landes und leitet den Hochwassermeldedienst. Die HVZ verfügt über moderne technische Möglichkeiten zur Datenerfassung und -bewertung, zum Datenaustausch und zur Information vom Hochwasser Betroffener.
Wasserstände und Durchflüsse der Pegel des Landes Sachsen-Anhalt sowie der Nachbarländer (Brandenburg, Sachsen, Thüringen) werden ständig überwacht und im Zusammenhang mit Warnungen des Deutschen Wetterdienstes über starke Niederschläge oder Tauwetter hinsichtlich der Entstehung von Hochwassersituationen bewertet. Sofern nötig werden durch die HVZ

  • Hochwasserwarnungen, sobald die Möglichkeit einer Hochwasserentwicklung erkennbar ist und/oder
  • Hochwasserinformationen zur aktuellen Lage und voraussichtlichen Entwicklung des Hochwassergeschehens

herausgegeben. Auf der Öffentlichkeitsplattform der Hochwasservorhersagezentrale können sich interessierte Bürger zeitnah über Wasserstände und Abflüsse und die weitere Entwicklung der Hochwassersituation informieren. Die Daten werden mehrmals täglich aktualisiert. Darüber hinaus werden dem Bürger wertvolle Hinweise für die eigene Verhaltensvorsorge bei Hochwasser und viel Wissenswertes über den Hochwasserschutz des Landes angeboten. Seit Kurzem können diese Informationen auch mobil über eine App abgerufen werden.

Als Datengrundlage für den Hochwassermeldedienst betreibt das Land ein Messnetz mit 99 Fernpegeln, davon 36 Hochwassermeldepegeln, deren Wasserstands- und Abflussdaten mit einer, der jeweiligen hydrologischen Situation angepassten Abrufdichte automatisch an die HVZ übertragen werden. Für das rechtzeitige Warnen vor Hochwasserereignissen und zur Fertigung qualitativ hochwertiger Hochwasservorhersagen stützt sich der LHW auch auf eigene Niederschlagsmessstationen, sogenannte Ombrometer. Die Standorte der Fernpegel sind in einer Karte dargestellt. 

Im Ergebnis der Überprüfung des bereits in den Jahren 1995 bis 1997 ausgerüsteten Fernmessnetzes wird dieses an die fortgeschrittene technische Entwicklung und die heutigen Ansprüche an Datenbereitstellung und Datenpräsentation angepasst. Ziel der Modernisierung ist u.a. den Prozess der Online-Datengewinnung bis zur Bereitstellung von Daten im Internet deutlich zu beschleunigen.

Weitere Informationen über aktuelle Wasserstände während eines Hochwassers erhalten Sie auch unter folgenden Quellen:

Der Flyer "Frühzeitig informieren - rechtzeitig handeln" enthält wesentliche Informationen zum Hochwassermeldedienst in Sachsen-Anhalt. Hier können Sie den Flyer runterladen.

Deichsanierung in Sachsen-Anhalt

Das Hochwasser im August 2002 im Einzugsgebiet der Elbe hat die Defizite des Hochwasserschutzes auch in Sachsen-Anhalt schonungslos deutlich gemacht.

In den Jahren 2002 - 2006 dominierte die Hochwasserschadensbeseitigung. Dabei war festzustellen, dass die Schäden an den Deichanlagen bei näherer Betrachtung größer waren und die Standsicherheit der bestehenden Deiche schlechter war, als im Ansatz in der Hochwasserschutzkonzeption bis 2010 ausgewiesen. Deichsanierung, Deichneubau, Deichrückverlegung und Erweiterung des Hochwasserschutzes ergänzten sich mit den Maßnahmen der Schadensbeseitigung. Zur Vorbereitung wurden beachtenswerte Ingenieurleistungen auf den Gebieten der Vermessung, Baugrunduntersuchung, Standsicherheitsberechnung, Gewässer- und Auenhydraulik erbracht. Insgesamt wurden in den Jahren 2002 bis 2009 für den technischen Hochwasserschutz incl. der Schadensbeseitigung 394,4 Mio. Euro eingesetzt.

Im Vergleich zu allen anderen von den Hochwasserereignissen 2002 und 2006 betroffenen Bundesländern konnten in Sachsen-Anhalt schon Ende 2009 damit die größten Fortschritte im Deichbau mit ca. 480 km Deichneubau erreicht werden.

Deichsysteme in Sachsen-Anhalt

Die Hochwasserschutzanlagen in Sachsen-Anhalt haben eine sehr lange Tradition. Mit dem Bau von Deichen wurde bereits im 12. Jahrhundert begonnen. Im 18. Jahrhundert wurden umfangreiche Deichbaumaßnahmen durchgeführt. Die in dieser Zeit geschaffenen Deichsysteme wurden in ihren Grundzügen bis heute beibehalten. Im 19. und 20. Jahrhundert nahm man nur noch Optimierungen vor. Durch mehrere ergänzende Bauten wurden die Deichlinien an bestimmten Stellen geschlossen, insbesondere im Bereich von Siedlungen. Später wurden im Wesentlichen nur noch Erhöhungen und Verstärkungen vorgenommen. Erst nach dem Augusthochwasser 2002 wurde mit einer intensiven Deichsanierung begonnen.

In der Anlage zum Wassergesetz für das Land Sachsen-Anhalt (WG LSA) sind die Deiche aufgeführt, deren Ausbau und Unterhaltung dem Land obliegen. Zum Deich gehören der Deichkörper, der Deichverteidigungsweg, die beidseitigen Deichschutzstreifen und die Sicherungsbauwerke wie Fußbermen, Qualmdeiche, Deichseitengräben, Fuß- und Böschungssicherungen sowie Siele und Deichrampen. Die land- und wasserseitigen (beidseitigen) Deichschutzstreifen grenzen in einer Breite von fünf Metern am Deichkörper an. Zur eindeutigen Zuordnung der Deiche führt der Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) ein Deichregister.

Das Deichregister umfasst sämtliche Deiche, auch Teilschutzdeiche, in der Zuständigkeit des Landes. Bei diesen Deichen obliegen Ausbau und Unterhaltung dem LHW. Das Deichregister enthält ausschließlich die Angaben für eine eindeutige Zuordnung der Deiche, d.h. die örtliche Lage sowie Anfangs- und Endpunkte. Das Deichregister ergänzt das Verzeichnis der Deiche in der Anlage zum WG LSA und ist in der jeweils aktuellen Fassung auf Dauer öffentlich auszulegen. Die im aktuellen Deichregister nachgewiesene Länge aller Landesdeiche beträgt 1.312 km.

Hochwasserschutzkonzeption

Im November 2015 wurde die aktualisierte Hochwasserschutzkonzeption des Landes vorgestellt.

Die Hochwasserschutzkonzeption zeigt den seit 2002 erreichten Stand bei der Verbesserung des Hochwasserschutzes in Sachsen-Anhalt auf. Unter Berücksichtigung der Konsequenzen und Erfahrungen aus dem Hochwasser 2013 zeigt sie zudem, wie die gesetzten Ziele im Hochwasserrisikomanagement, im technischen Hochwasserschutz, in der Hochwasservorsorge sowie bei der Schaffung von zusätzlichem Retentionsraum in Sachsen-Anhalt bis 2020 erreicht werden können. So wird die Hochwasservorsorge durch die bereitgestellten Hochwassergefahren- und Hochwasserrisikokarten unterstützt. Zentrale Elemente sind hier die Verbesserung der Hochwasservorhersage für die Elbe und die umfassende Weiterentwicklung der Hochwasservorhersagezentrale. Anfang Dezember 2014 ist die überarbeitete Hochwassermeldeordnung in Kraft getreten.

In der Hochwasserschutzkonzeption werden erstmals auch Belange des kommunalen Hochwasserschutzes erfasst.

Hochwasserschutzkonzeption des Landes Sachsen-Anhalt zum Download (pdf, barrierefrei)

Anlage 1 – Ergebnis der vorläufigen Bewertung des Hochwasserrisikos in Sachsen-Anhalt

Anlage 2.1 – Übersichtskarte Elbe (1) – Empfehlung realisierbarer Standorte

Anlage 2.2 – Übersichtskarte Elbe (2) – Empfehlung realisierbarer Standorte

Anlage 2.3 – Übersichtskarte Elbe (3) – Empfehlung realisierbarer Standorte

Anlage 3 – Übersichtskarte Mulde – Empfehlung realisierbarer Standorte

Anlage 4 – Übersichtskarte Saale – Empfehlung realisierbarer Standorte

Anlage 5 – Übersichtskarte Weiße Elster – Empfehlung realisierbarer Standorte

Starkregen und Sturzfluten

Immer öfter  warnen Wetterdienste im Frühjahr und Sommer vor Unwettern mit Starkregen und Hagel. Zahlreiche Kommunen in vielen Regionen Deutschlands waren in der jüngeren Vergangenheit von Starkregenereignissen betroffen. In deren Folge führten gewaltige Niederschlagsmengen in kurzer Zeit zu teils dramatischen Überflutungen. Auch in Sachsen-Anhalt haben Ereignisse wie im Juli 2017 im Harz und im Mai 2018 im Burgenlandkreis wiederholt große Schäden verursacht.

Was ist Starkregen?
Von Starkregen spricht man, wenn in kurzer Zeit örtlich außergewöhnlich hohe Niederschlagsmengen auftreten. Er entsteht häufig beim Abregnen massiver Gewitterwolken über einem begrenzten Gebiet.
Die mit der Veränderung des Klimas verbundene Temperaturerhöhung führt dazu, dass mehr Feuchtigkeit in der Atmosphäre gespeichert wird, die insbesondere bei Gewitter plötzlich abregnen kann. So ist nach derzeitigen Erkenntnissen davon auszugehen, dass es künftig noch häufiger zu extremen Wettersituationen und zur Zunahme von Schadensereignissen kommen wird.

Wo tritt Starkregen auf?
Anders als bei  Hochwasserereignissen der Fließgewässer, können Überschwemmungen  infolge von Starkregenereignissen überall auftreten und zu Sturzfluten und Schlammlawinen führen.

Welche Gefahren bestehen bei Starkregen?
Wenn sehr große Regenmengen innerhalb kürzester Zeit  niedergehen, können sie vom Boden oder der Kanalisation nicht mehr aufgenommen werden und fließen direkt oberflächlich ab.  Hierdurch können sehr schnell ansteigende Sturzfluten  entstehen. Ein besonderes Risiko besteht an Hanglagen, in tieferliegenden Geländelagen oder in Tunneln.
Außerdem können selbst kleine, sonst harmlose Gewässer ausufern und zusätzliche Überschwemmungen verursachen. Insbesondere an Engstellen wie Brücken und Durchlässen können sich Bachläufe rückstauen.  Wenn das Fassungsvermögen der Kanalisation überschritten wird, kommt es zu Überschwemmungen von Straßen und Grundstücken und oft zu erheblichen Schäden an Gebäuden, Straßen und Sachwerten.

Wer muss Vorsorgemaßnahmen treffen?
Ein vollständiger vorsorgender Schutz vor Starkregen und wild abströmendem Wasser ist nicht möglich. Dennoch können gezielte Vorsorgemaßnahmen Schäden begrenzen.
Grundsätzlich muss sich jeder Grundstückseigentümer selbst vor den Folgen von Überflutungen schützen.  Städte und Gemeinden  agieren im Interesse ihrer Bürger um Schäden, nicht zuletzt auch an kommunaler Infrastruktur, zu vermeiden oder zumindest zu minimieren.
Vorsorge kann nur in einem Zusammenwirken aller Akteure erfolgreich sein. Das Erkennen und Kommunizieren potenzieller Gefahren in den Kommunen und die Koordinierung von erforderlichen Maßnahmen  kann auch bei anderen Akteuren das Bewusstsein für Überflutungsgefahren und die Bereitschaft selbst aktiv zu werden erhöhen,. Betroffene Bürgerinnen und Bürger können ihr Wissen über Fließwege des Wassers, überflutete Flächen und  Schadensschwerpunkte aktiv einbringen.

Was kann ich selbst tun?
Das Land Sachsen-Anhalt strebt eine weitere Aufklärung der Bürger über Gefahren durch Starkregen und Sturzfluten an, um das Risikobewusstsein zu erhöhen. 
Zur Information von Bürgern hat das MULE einen Flyer „Starkregen und Sturzfluten- Was tun?“  herausgegeben. Der Flyer kann unter nachfolgenden Link heruntergeladen werden:
https://mule.sachsen-anhalt.de/fileadmin/Bibliothek/Politik_und_Verwaltung/MLU/MLU/02_Umwelt/Wasser/00_Startseite_Wasser/MULE_Starkregen_web_0816.pdf
Neben Maßnahmen einer baulichen Anpassung von Gebäuden (Objektschutz) ist insbesondere der Abschluss einer Elementarschadenversicherung gegen mögliche Schäden durch Starkregen und Sturzfluten zu empfehlen. Informationen hierzu  erhalten Sie in dem Flyer Sachsen-Anhalt versichert sich:  https://www.gdv.de/resource/blob/26170/6c55807c55a2cf9292fadecc71d335de/flyer-sachsen-anhalt-download-data.pdf

Wie können Kommunen vorsorgen?
Bevor bauliche und organisatorische Maßnahmen begonnen werden, sollte eine möglichst umfassende Gefährdungsanalyse durchgeführt werden. Hier fließen Kenntnisse über Starkregen und Hochwasserereignisse der Vergangenheit,  topografische Verhältnisse (insbesondere vorhandene Gewässer, Bewuchs und Bebauung) und über sensible Bereiche oder Objekte(z. B. Krankenhäuser, Energieversorgung) ein. Das Ergebnis kann in einer Starkregengefahrenkarte visualisiert werden, die überflutungsgefährdete und besonders verwundungssensible Bereiche aufzeigt. Aufbauend auf die gewonnenen Erkenntnisse sind Lösungsansätze für ein Starkregenrisikomanagement zu entwickeln. Den Kommunen kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Landkreise und Fachbehörden des Landes begleiten die Aktivitäten der Kommunen fachlich. 

Welche Unterstützung gibt es?
Zur Thematik gibt es bereits ein umfangreiches Angebot an Handlungsempfehlungen von unterschiedlichen Herausgebern.  Hierzu gehören der Themenband „Praxisleitfaden zur Überflutungsvorsorge – Starkregen und urbane Sturzfluten“  der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) und die Fachinformation 1/2013 „Starkregen und urbane Sturz fluten –. Praxisleitfaden zur Überflutungsvorsorge“  des Bundes der Ingenieure für Wasserwirtschaft Abfallwirtschaft und Kulturbau (BWK).

Mit der „LAWA-Strategie für ein effektives Starkregenrisikomanagement“ hat die Bund-Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) in 2018 Handlungsempfehlungen herausgegeben, die die Prozesse innerhalb des  Starkregenrisikomanagements darstellen, und Lösungswege und Akteure  aufzeigen (Download).
Förderprogramme von EU, Bund und Land  können bei der finanziellen Bewältigung von Starkregen- bzw. Sturzflutproblemen genutzt werden.

Hierzu gehören insbesondere:
 
- Richtlinie über die Gewährung von Zuwendungen für Maßnahmen zur Verbesserung des kommunalen Hochwasserschutzes im Land Sachsen-Anhalt

Die Fördertatbestände umfassen neben Baumaßnahmen an kommunalen technischen Hochwasserschutzanlagen auch Maßnahmen zur Verbesserung des Wasserrückhaltes. Hier sind Synergieeffekte zur Lösung der Starkregenproblematik von Kommunen möglich, sofern die zu fördernden Projekte Bestandteil eines Hochwasserrisikomanagementplans sind. Die Durchführung eines von der DWA angebotenen Hochwasseraudits ist ebenfalls grundsätzlich förderfähig. Weitere Informationen unter:  https://lvwa.sachsen-anhalt.de/das-lvwa/landwirtschaft-umwelt/wasser/foerdermittel-des-referates-wasser/foerdermittel-zur-unterstuetzung-von-projekten-zur-verbesserung-des-kommunalen-hochwasserschutzes-im-land-sachsen-anhalt/

- Richtlinie über die Gewährung von Zuwendungen für Maßnahmen zur Beseitigung oder Minderung von sowie Vorbeugung gegen Vernässungen oder Erosion mit Hilfe des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE)

Unterstützt werden vorbeugende Maßnahmen (Konzepte und Planungen als Vorbereitung sowie investive Maßnahmen)  zum Ausbau von Gewässern 2. Ordnung und für die Errichtung von Anlagen und Einrichtungen zum Schutz  vor Vernässungen und Erosion. Maßnahmen zum Regenwasserrückhalt sind ebenfalls Fördergegenstand. Weitere Informationen unter: https://lvwa.sachsen-anhalt.de/das-lvwa/landwirtschaft-umwelt/wasser/foerdermittel-des-referates-wasser/foerdermittel-zur-unterstuetzung-von-projekten-zur-beseitigung-oder-minderung-von-sowie-vorbeugung-gegen-klimawandelbedingte-vernaessungen-oder-erosion-mit-mitteln-des-europaeischen-fonds-fuer-regionale-entwicklung-efre/

- Richtlinien über die Gewährung von Zuwendungen zur Förderung der Neuanlage von Hecken und Feldgehölzen sowie des Umbaus von Hecken

Förderfähig ist die Neuanlage von Hecken und Feldgehölzen sowie der Heckenumbau einschließlich Planungsleistungen und Entwicklungspflege bis zum Abschluss drittes Standjahr der Gehölze in erosionsgefährdeten Gebieten zur Anpassung. Weitere Informationen unter: http://www.foerderdatenbank.de/Foerder-DB/Navigation/Foerderrecherche/suche.html?get=4aa561e46fff16fb87d819d09c769842;views;document&doc=13046.
 
- Richtlinie über die Gewährung von Zuwendungen zur Förderung der Umsetzung von LEADER sowie CLLD in Sachsen-Anhalt (Richtlinie LEADER)

Gefördert werden Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel, zum Hochwassers- und Erosionsschutz sowie umweltschonendem Wassermanagement. Weitere Informationen unter: https://leader.sachsen-anhalt.de/ .